Impulsgeber - Wirtschaftsregion Landkreis Cham

12 Impulsgeber Landkreis Cham Lehrjahre sind (keine) Herrenjahre Johann Feldbauer junior weiß, was sich Auszubildende heutzutage wünschen Der Ausbildungsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Früher mussten Jugendliche zittern und bangen, ob sie den gewünschten Ausbildungsplatz erhalten oder ob sich ein anderer Bewerber aufgrund besserer Noten oder persönlicher Präferenzen durchsetzt. „Jetzt müssen wir Firmen kämpfen“, gibt Johann Feldbauer, Geschäftsführer der Feldbauer Bau GmbH in Roding, zu. Berufsbild hat sich geändert Gerade im Baugewerbe fehlen die Berufseinsteiger. „Ich glaube, dass bei vielen einfach noch das alte Bild einer Maurerausbildung von vor 20 oder 25 Jahren im Kopf ist. Viele Überstunden, bei Wind und Wetter draußen, harte körperliche Arbeit sowie schlechte Entlohnung.“ Dabei hat sich das Berufsbild massiv geändert. Aufgrund des aktuellen Arbeitsschutzgesetzes dürfen nur noch maximal 25 Kilogramm gehoben werden, für höhere Gewichte gibt es entsprechendes Gerät. Stürmt, schneit oder regnet es stark, sind die Baustellen nicht besetzt, erklärt Feldbauer. Zudem hat Feldbauer so gut in die Ausstattung der Baustellen investiert, dass ein leichteres und schnelleres Arbeiten möglich ist. Trotzdem müssen sich die Firmen einiges einfallen lassen, um neue Auszubildende zu finden. „Wir waren vor kurzem beim Berufstag an der Realschule Roding und haben eine kleine Umfrage unter den Jugendlichen gestartet. Den meisten war die Vergütung am wichtigsten. Erst danach kam der Wunsch nach einer ausgeglichenen Work-Life-Balance.“ Feldbauer versteht, dass das Leben immer teuerer wird und sich die jungen Menschen auch mal etwas leisten wollen. „Wenn man am Wochenende weggeht und ein paar Getränke bestellt, ist – verglichen mit dem Lehrlingsgehalt – gleich ein größerer Betrag weg und dann kommt der eine oder andere vielleicht ins Überlegen, ob dann noch der eigentlich notwendige Friseurbesuch drin ist.“ Zudem sieht er auch den Wunsch, irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen und in eine eigene Wohnung zu ziehen. Gewinnbeteiligung und Zuschüsse Deshalb erhalten im Unternehmen nicht nur langjährige Mitarbeiter eine jährliche Gewinnbeteiligung, sondern auch Auszubildende ab dem ersten Lehrjahr. Außerdem dürfen sich Lehrlinge über weitere Zuckerl freuen. „Sind die schulischen Leistungen sehr gut, muss das natürlich honoriert werden. In so einem Fall zahlen wir eine Erfolgsprämie.“ Der Landkreis Cham zählt zur ländlichen Region. Bus- und Bahnverbindungen können unter Umständen nicht mit den Arbeitszeiten zusammenpassen und die meisten Arbeitnehmer sind auf ein Auto angewiesen. Bei der Firma Feldbauer erhalten die Jugendlichen dementsprechend Führerscheinzuschüsse. „Die Unternehmenswelt hat sich in dieser Hinsicht schon sehr verändert und muss sich auch weiter verändern. Es sind zu viele Ausbildungsplätze vorhanden und jeder muss um Nachwuchs kämpfen. Da muss man sich schon was einfallen lassen“, erklärt Feldbauer. Feuerwehr-Haus in Eigenregie Aber nicht nur finanzielle Zuschüsse sollen die Teenager in den Betrieb locken. „Bei uns dürfen und sollen die Lehrlinge ab dem ersten Tag mit anpacken. Es bringt keinem etwas, wenn nur zugeschaut wird.“ Ganz besonders stolz ist Feldbauer auf das, was seine Auszubildenden im vergangenen Jahr geleistet haben. „In Mitterdorf sollte am Feuerwehrgerätehaus ein Anbau entstehen. Ich habe mich dazu entschlossen, dass das meine Lehrlinge machen sollen.“ Mit dabei waren wirklich alle – vom ersten bis zum dritten Lehrjahr, ein Polier hat zugeschaut, kontrolliert und diente als Ansprechpartner. „Das motiviert ungemein und schadet überhaupt nicht, wenn sie ins kalte Wasser geschmissen werden. Jetzt können die Azubis selbstbewusst auf das blicken, was sie selbst geschaffen haben.“ Und er fügt schmunzelnd hinzu: „Manche von ihnen sind selbst Aktive bei der Feuerwehr Mitterdorf. Da dürfen sich die Kameraden schon das eine oder andere angeberische Wort anhören.“ Das Verständnis einer sich wandelnden Welt der Auszubildenden und das Vertrauen sowie die Förderung in die Fähigkeiten jedes Einzelnen haben wohl auch dazu geführt, dass die Lehrlinge der Feldbauer Bau GmbH bei Freisprechungsfeiern immer wieder sehr gute Ergebnisse erzielen konnten. „Im vergangenen Jahr waren von den fünf Besten vier aus unserem Betrieb.“ Damit das auch so bleibt, hofft Johann Feldbauer, dass sich zukünftig mehr junge Menschen für die Baubranche interessieren. „Wer sich noch unsicher ist, kann gerne jederzeit ein Praktikum bei uns machen und sich selbst davon überzeugen, dass Langeweile hier keinen Platz hat!“ -anrJohann Feldbauer lässt sich einiges für seine Auszubildenden einfallen. Foto: Andrea Reimer

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