NiederbayernTV

82 © Andreas Weis Man war gegen uns. Es gab kein Einsehen, typisch für das niederbayerische Bauerndenken. Und in München haben sie uns ausgelacht – zurecht! Die wussten gar nicht, was eine Sperrstunde ist – und wir in der Provinz kriegen den Knüppel zwischen die Beine. Das war für uns ein riesiger Wettbewerbsnachteil, zumal es in anderen Orten, die nur 30 Kilometer entfernt lagen, keine Sperrstunde gab. Die 'Trips' waren in Sachen Booking & Co. bis sechs Uhr ausgelegt. Und Du weißt selbst, weil Du ja immer Gast bei uns warst, dass die Leute von weit her kamen, aus Österreich, München, Regensburg etc. Und wenn die teils erst um Mitternacht ankommen und ich schicke sie um vier Uhr wegen der Sperrstunde wieder nach Hause – das geht nicht. Und es war wirklich so, dass um 04:01 Uhr schon die Polizei vor der Tür stand. Dieses engstirnige Denken der Politiker war letztendlich auch der Gnadenstoß, das Aus für das Alcatraz dann nach acht Jahren." Dabei hast Du ja mit dem Alcatraz auch ganz gutes Geld in die Steuerkasse gespült. „Ja klar, wir hatten einen super Umsatz, ich habe alle DJs in nahegelegenen Hotels einquartiert, und durch die Trip-Veranstaltungen erlangte der Ort Landau an der Isar mal nationale Bekanntheit. Niemand kannte Landau – aber 'jeder' kannte das Alcatraz in Landau. Zum einen durch die Partys, dann durch Radiowerbung, Flyer, Plakate und so weiter. Ich muss aber sagen: Die Stadt war immer auf unserer Seite und ist sogar mit uns zusammen vor Gericht gegangen, gegen das Landratsamt. Aber ohne Erfolg. Und dann war plötzlich alles aus ... „DJ Karotte spielte gerade“, so Christian, „als wir kurz zuvor aus dem 'Alcatraz' den 'prison club' gemacht hatten. Das Alcatraz lief unter der Firmierung 'Discothek'. Und elektronische Musik läuft in keiner Disco, sondern in einem Club. Somit haben wir auch den DJ runtergeholt ins Erdgeschoss. Bis dahin war er ja oben im ersten Stock und blickte von seinem 'Balkon' runter auf die Leute. Aber wenn du DJ Rush oder Monika Kruse da hast, dann dürfen die nicht gefühlt drei Kilometer weit vom Publikum wegstehen. Die muss nah bei den Leuten sein. Die erste Etage lag dann quasi brach. Sie bestand ja auch nur aus der DJ-Area, dem rundumführenden 'Balkon', dem Restaurant und ein paar kleinen Bars. Wir haben alles nach unten verlegt, auch den Lichtjockey. Da die Location für einen Club viel zu groß war, haben wir mittels Stoffen und Tüchern die Sicht nach oben versperrt. Auch die vielen Lichter haben wir entfernt und gegen einen acht Meter großen Kronleuchter ersetzt. Letztendlich haben wir auch die Location zweimal gewechselt, bekamen aber immer größere Probleme mit Razzien. Und wenn die Polizei mal eine halbe Pille bei jemandem gefunden hat, war der Aufschrei groß. Zwar war dann zu der Zeit die Sperrstunde wieder aufgehoben – weil sie das mussten, denn bayernweit wurde sie aufgehoben, somit auch in Niederbayern –, aber sie haben alles versucht, um uns zu kriegen. Die kleinen Mengen, die gefunden wurden, waren lächerlich. Aber für die Polizei Grund genug, uns kleinzukriegen. Somit haben wir beschlossen, das Ganze aufzugeben, da wir keine Lust mehr hatten, ständig die Polizei vor der Tür stehen zu haben. Aber kurz vor dem Supergau hatten wir immerhin noch 'prison recordings' gegründet, und Rush hat ein Release gemacht. Ich weiß noch, dass ich damals, Ende der 90er Jahre zu meinen Eltern gesagt habe: „Ins Alcatraz gehe ich auch noch in 30 Jahren.“ Und das wäre definitiv der Fall – würde es das Alc noch geben. Umso schöner, etwas wehmütig an diese unvergessliche Zeit zurückzudenken. Wie gerne würde ich gerade das Rad noch einmal für ein paar Stunden um 25 Jahre zurückdrehen und zu den Beats von Kai Tracids „Your own Reality“ in den Nebelschwaden und Blitzlichtgewittern der Stroboskope auf der Tanzfläche stehen. Was bleibt, ist die Erinnerung. Und die kann uns allen, die wir im Alc waren, keiner nehmen. Die Gäste kamen sogar aus Österreich angereist.

RkJQdWJsaXNoZXIy MTYzMjU=