niederbayernTV Magazin

51 Herr Löfflmann, stellen Sie sich doch gerne zunächst einmal kurz vor. „Ich bin Bildungsreferent und Geschäftsführer des Naturpark Bayerischer Wald und des Grenzbahnhofs Bayerisch Eisenstein. Einst studierte ich Forstwissenschaften an der LMU München, woraufhin ich zwei Jahre als freiberuflicher Forstsachverständiger gearbeitet hatte. Seit August 1993 ist der Naturpark Bayerischer Wald mein arbeitstechnisches Revier – und Mitte der 90er Jahre startete ich hier im Bahnhof erste Aktivitäten. Das Bahnhofareal ist 900 Meter lang – so ist es auch im Staatsvertrag schriftlich verankert – und besteht unter anderem aus Beamtenwohnhäusern, einer Drehscheibe mit Lokschuppen, zwölf Gleisen und natürlich dem Bahnhof an sich. Dieser misst 136 Meter Länge und beherbergte einst nebst Wartehalle einen Gepäckraum, die Zollabfertigung, eine Polizeistation, eine Gaststätte und einen Friseur. Es gab sogar zur Gründungszeit einen Arzt hier. Alles in allem war der Bahnhof eine ganz eigene kleine Welt. Mit im Gepäck ist Georg Bauer, genannt Charlie Bauer. Er ist seit drei Jahren der 1. Vorsitzende des Naturpark Bayerischer Wald – zuvor war er sogar mal sechs Jahre lang Bürgermeister von Bayerisch Eisenstein.“ Noch bevor wir die Empfangshalle betreten, stehen wir in einem Raum mit schätzungsweise fast acht Metern Deckenhöhe. Was hat es mit diesem auf sich, Herr Löfflmann? „In diesem Raum können sich die heutigen Besucher einstimmen auf das grenzüberschreitende Informationszentrum, das gleich folgt. Der Raum, in dem wir jetzt gerade stehen, war früher für die Koffer- und Gepäckträger. Kam ein Zug an, wurden die großen Schrankkoffer vom Bahngleis hierhin transportiert, wo sie zwischengelagert wurden. Mit einem kleinen Handwägelchen, vor das ein Hund gespannt war, wurden die Koffer dann zum Urlaubs- oder Kurhotel gebracht.“ Angekommen im imposanten Warteareal frage ich Herrn Löfflmann, was der lange Strich auf dem Boden zu bedeuten hat. „Wir befinden uns hier in der historischen Eingangshalle, mit dem im Boden eingelassenen Grenzstein als Markierung. Diese Staatsgrenze in einem Bahnhof ist weltweit einmalig und wird pro Jahr von rund 45.000 Menschen passiert, die sich hier im Empfangsbereich mit Informationen versorgen. Entstanden ist der Bahnhof in den Jahren 1872 bis 1877. Dann fuhren erste Züge ein. Die offizielle Eröffnung fand ein Jahr später statt, 1878. Wir als NaturparkWelten bestehen seit dem Jahr 2014. Übrigens, bitte nicht den Naturpark Bayerischer Wald mit dem Nationalpark Bayerischer Wald verwechseln. Der Naturpark ist ein großes Gebiet in den vier Landkreisen Regen, Freyung-Grafenau, Deggendorf und Straubing-Bogen. Der benachbarte Nationalpark ist ein strenges Schutzgebiet, wo man die Natur Natur sein lässt, wo der Mensch nicht eingreift, wo natürliche Prozesse ablaufen können und Forschungsprojekte durchgeführt werden. Die – in Anführungszeichen – „Aufgaben“ des Naturparks sind: a) Erholungsbereich, wie Wanderwege, b) Naturschutz, Landschaftspflege und Artenschutzprojekte, c) die Regionalentwicklung unterstützen und d) den Bildungsauftrag erfüllen, wie hier bei uns in den NaturparkWelten.“ Wir gehen ein paar Meter weiter, in Richtung eines Ganges. Mir fallen Bodenmarkierungen auf: Striche, Punkte, haptisch spür- und tastbare Hervorhebungen. „Dies ist ein weiterer Beitrag unsererseits zur Barrierefreiheit und zum Informationssystem für Sehbehinderte. Bisher hatten wir zwei Aufzüge im Bahnhofsgebäude. Somit waren alle Etagen barrierefrei erreichbar. Wir wollten dem Ganzen aber noch eins draufsetzen und haben für Blinde und Sehbehinderte diverse Aufmerksamkeitsfelder geschaffen. Es gibt einen großen Plan mit Blindenschrift. Außerdem haben wir zusammen mit dem Berufsförderwerk Würzburg eine App entwickelt, die man auch für mehrsprachige Information nutzen kann: auf Deutsch, Tschechisch und Englisch. Viele Blinde arbeiten mit Apps – das hat uns die Erfahrung gelehrt. Deshalb dieser Ansatz, den die Sehbehinderten auch sehr begrüßen.“ Wir folgen den Zeichen und kommen kurz darauf bei der Ausstellung „König Arber“ an. Hier informiert uns Charlie Bauer. „Das Arbergebiet ist ein touristisches Highlight, vor allem für Skifahrer. Bild: © Torsten Widua Hartwig Löfflmann, Geschäftsführer Naturpark Bayerischer Wald

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