Landshuter Stadtmagazin

Als ich ein kleines Mädchen und in der Grundschule war, ging ich mittags ganz oft zum Essen zu meiner Oma. Sie war eine richtige Bilderbuchoma, mit Dutt und Schürze und einer immens dicken Brille. Und sie kochte immer noch auf einem Holzofen, der gleichzeitig die Küche beheizte. Da stand stets ein brodelnder Suppentopf, wenn ich kam. Denn damals aß man Suppe, zu jeder Jahreszeit, jeden Tag, egal, was es danach gab. Am liebsten mochte ich ihre Kartoffelsuppe. Sie schmeckte mild würzig (ganz ohne Maggi!), obendrauf streute sie immer noch etwas Schnittlauch aus dem Garten, und das verlieh ihr eine angenehme Frische am Gaumen. Im Magen angekommen aber empfand man die wohlige Wärme, und egal, wie aufregend der Vormittag gewesen war, war es nur eine Frage von Sekunden, und der ganze Körper entspannte sich. So auch das Gemüt. Selbst die bloße Erinnerung daran lässt in mir eine warme Seligkeit aufziehen. Irgendwann war meine Oma nicht mehr da, und ich begann selbst zu kochen. Erstmal „Packerlsuppen“, ich mochte sie fast alle: Pfannkuchensuppe, Nudelsuppe, und dann all die Cremesuppen, mit Geschmack nach Champignons, Broccoli und Blumenkohl. Aber bald wurde mir klar, dass es nicht viel komplizierter ist, die Suppe aus frischen Zutaten selbst zu kreieren. Eine Zeit lang war es unter meinen Freunden üblich, eine Tomatensuppe zu kochen. Man brauchte nur ein paar Tomatenbüchsen – so weit ging das Bedürfnis nach frischen Zutaten dann doch noch nicht – Zwiebeln, Knoblauch, Salz und ganz viel Pfeffer. Wir aßen sie heiß und gierig und kamen davon ganz schön ins Schwitzen. Sahne oder Kokosmilch? Kurze Zeit später kam dann der Pürierstab mit ins Spiel. Von da ab gab es kein Halten mehr. Jedes erdenkliche Gemüse wurde zerschnippelt, angedünstet oder auch nicht, geköchelt und am Ende mit ein paar Gewürzen oder Kräutern aufgepeppt. Zunächst musste ich mich entscheiden – Sahne oder Kokosmilch? Später wurde es ausgefeilter: mit verschiedenen Ölen, Sojasauce, Zitronensaft und anderem lassen sich unzählige Nuancen reinbringen. Die Liebe zur Suppe ist nach all den Jahren nie verblasst, scheint wohl was fürs Leben zu sein. Im Sommer ist es mittlerweile etwas zu warm für eine heiße Suppe. Wenn dann der Herbst aufzieht, ist es aber umso tröstlicher, sich mit einer sämigen, wohlschmeckenden und meist auch noch sättigenden Flüssigkeit den Bauch zu wärmen. Und so wird die Suppe die nächsten Monate wieder zu meinem (fast) täglichen Begleiter. Und irgendwie ist dann auch meine Oma bei mir. Von Petra Scheiblich Meine Oma und die Suppe Fotos: © Petra Scheiblich, ~ Bitter ~ - stock.adobe.com; Stillfx - stock.adobe.com 44 | Kulinarisch

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