Heimatzeit in Mariaposching

Montag, 26. April 2021 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Ascha: Die Gemeinde wurde mit 15 Kommunen in Europa für Klimaschutz ausgezeichnet ... 15 Straubing-Bogen: Grundausbildung in Musik für Kinder der Kreismuskschule jetzt auch online möglich ...... 18 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de kreis & quer D ie jungen Leute können einem leidtun. „Corona raubt mir ei- nen Teil meiner Jugend“, hat neu- lich eine Überschrift in der Zeitung gelautet. Die Rede war unter ande- rem von fehlenden Abibällen oder Schulabschlussfahrten – normaler- weise prägende Erlebnisse, die sich aber auch nicht nachholen lassen. Eine Schulfreundin hat davon er- zählt, wie traurig der Schulab- schluss ihrer Tochter verlief: Nur mit den Eltern auf einer „Stuhlin- sel“ mit viel Abstand zu allen ande- ren, und das Zeugnis wurde ihr, als sie dann dran war, über einen Tisch hinweg zugeschoben. Das war’s. Das eigene Abitur ist mehr als drei Jahrzehnte her – und trotzdem Leidgeprüft erinnert man sich noch heute gern und oft an Zeugnisübergabe, Ab- schlussball und Abischerz. Letzte- ren vor allem. Sich nachts mit dem Schlüssel eines Lehrers (der bis heute nicht weiß, dass wir seinen hatten) in die Schule schleichen, alle Räume für ein ungeplantes Schulfest umgestalten, ein bemaltes und bepflanztes Auto auf den Schulhof schieben... Als wir mor- gens um fünf alle komplett erledigt im Foyer saßen und der Dinge harr- ten, hopste draußen vor der Glas- front ein Karnickel vorbei. Wie empfindet man das Ende sei- ner Schullaufbahn, wenn ein solch prägendes Erlebnis fehlt? Als wäre man noch gar nicht wirklich mit der Schule fertig...? Obwohl... Dieses Gefühl kann man offenbar auch mit einem normalen Schulende haben. Das letzte Mal, dass man nächtens im Traum wieder sein Abitur schreiben musste, ist jedenfalls noch keinen Monat her. –map– Das Schloss: Einstiger Herrschaftssitz der Lohaimer S chloss Loham, der einstige Herrschaftssitz des Ministeria- lengeschlechts der Lohaimer befin- det sich heute in Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugäng- lich. Erstmals urkundlich erwähnt wurden die Lohaimer nach den An- gaben von Poschings Ortschronisten Karl Bauer im Jahr 1252. Aus dieser Zeit stammen vermutlich auch die ältesten Bauteile des Schlosses. Über das Aussehen dieses ur- sprünglichen Gebäudes können kei- ne Angaben gemacht werden. Verheerender Brand Nach einem verheerenden Brand um 1588, der das Gebäude bis auf die Grundmauern zerstörte, wurden beim Wiederaufbau die Außenmau- ern und die tragende Mittelmauer in das Bauwerk einbezogen und das Schloss um ein Geschoss erhöht. In dieser Zeit wurde wohl das Gelände zwischen dem ebenerdigen Keller- geschoss und dem umgebenden Mauerring aufgeschüttet, sodass sich eine Geländeerhebung ergibt, die von einem Wassergraben, der um 1900 ein- geebnet wurde, umgeben war. 1723 wurde die Anlage umfas- send umgebaut und renoviert. Freiherr Franz Adam Ignaz von Schrenck von Notzing, Herr zu Loham und Ma- riaposching, Re- gierungsrath in Straubing, Hauptpfleger und Kastner zum Diessen- stein, hatte dies anlässlich seiner Hochzeit mit Anna Violanda Gräfin Goderin von Kriesdorf und Walchsing durchge- führt. Zum Herrschaftssitz gehör- ten, neben der Schlosskapelle, eine barocke Parkanlage und Wirt- schaftsbauten. Die an der Südost- ecke angebaute Kapelle trägt das Patrozinium des hl. Valentin, des Passauer Bistumspatrons. Die Lo- haimer sind auf Loham mit Paul dem Lohamer letztmals 1438 nach- weisbar. In der Folge sind neun Hof- marksherrn im Besitz der Hofmark Loham belegt, ehe 1673 die Familie Schrenck von Notzing Loham er- warb. Im 19. und 20. Jahrhundert wechselten sich verschiedene Ei- gentümer ab. Seit den 1920er Jah- ren bewohnte die Herrschaft das Schloss nicht mehr. 1933 war eine Mädchengruppe des Freiwilligen Arbeitsdienstes für drei Jahre ein- quartiert. Während des Krieges bot das Schloss Buben aus ausge- bombten Städten, insbesondere aus Hamburg, einen schützenden Hort. Heim für Gastarbeiterinnen Nach dem Zweiten Weltkrieg fan- den Heimatvertriebene im Schloss Unterschlupf. Schließlich waren ab 1963 für einige Jahre türkische Gastarbeiterinnen untergebracht. Das ruinöse Schlossgebäude mit Kapelle erwarb 1991 Dr. Rudolf Erl, der es mit seiner Frau Susanne mus- tergültig sanierte. Das Ehepaar wurde im Mai 1996 mit der bayeri- schen Denkmalschutzmedaille aus- gezeichnet. (jo) Mustergültig saniert: Schloss Loham Foto: Josef Bauer Leben an und mit der Donau Der Fluss bietet Bewohnern des Heiwischs Erholung, bedroht sie aber bei Hochwasser Mariaposching. Die Gemeinde und die Ortschaft Mariaposching liegen in einem markanten Bogen des Donaustroms. Das Gebiet wur- de bereits im sogenannten Breviari- us Urolfi erstmals urkundlich er- wähnt. Abt Urolf vom nahen Kloster Niederaltaich hatte um das Jahr 790 ein Güterverzeichnis seines Klos- ters erstellen lassen, in dem unter anderem folgender Satz steht. „In Villa Pasuhhinga dedit Otilo illam Capellam, cum Mansos V“, über- setzt bedeutet dies: „Im Gutsbezirk Posching gab Odilo die Kapelle da- selbst mit 5 Huben (Höfen).“ Die frühe urkundliche Nennung macht deutlich, dass dieses frucht- bare Gebiet, das unter der Bezeich- nung Heuwisch oder Heiwisch be- kannt ist, bereits seit frühester Zeit besiedelt war. Auch ein Donauüber- gang ist seit alter Zeit hier belegt, der später mit einer Fähre – die al- ten Poschinger sagen dem „Foarm“ – bewerkstelligt wurde. Seit dem Frühjahr 2019 kann man die Donau mit einer Motorfähre mit dem pas- senden Namen „Posching“ schnell überqueren. Durch ihren Einsatz ersparen sich die Mariaposchinger einen Umweg von etwa 23 Kilome- tern, um ins benachbarte, nur einen Kilometer entfernte Stephans- posching zu gelangen. Donau als Freizeitraum Neben der Fähre bietet die Donau aber auch Möglichkeiten für ver- schiedene Freizeitaktivitäten, ne- ben den Fischern, die von Waller über Hecht oder Zander bis hin zur Brachse die unterschiedlichsten Fischarten fangen können, wird der Strom auch zum Baden genutzt. Das feinsandige Donauufer bietet gute Bademöglichkeit und Erho- lung in idyllischer Natur. Auch zum Rudern mit Zillen oder zum Paddeln mit Schlauchbooten wird die Donau genutzt. Selbstver- ständlich kann man neben der Do- nau auch gut spazieren gehen oder auf den Deichhinterwegen mit dem Fahrrad oder Rollerskates fahren. Die Donau ist für die Mariapo- schinger also nicht nur die Grenze zur Nachbargemeinde Stephanspo- sching und zum Nachbarlandkreis Deggendorf, sondern auch ein at- traktives Naherholungsgebiet. Neben diesen positiven Seiten der Donau gibt es aber auch eine andere Seite des Stromes, die bei Hochwas- ser sichtbar wird. Bereits in den 30er-Jahren des vorigen Jahrhun- derts wurde mit der Hochwasser- freilegung des Gebietes begonnen und eine Deichanlage, in Mariapo- sching „Doanadamm“ genannt, ge- baut. Drei Schöpfwerke sorgen seit- dem für die Entwässerung des Deichhinterlandes. Bereits 1954 musste der Damm eine große Bewährungsprobe beste- hen, als im Juli ein damals Jahrhun- derthochwasser genanntes Schre- ckensszenario eintrat. Doch der Damm hielt stand, auch in den Jah- ren 1988, 2009 und 2013 bewährten sich die Hochwasserschutzanlagen im Poschinger Gemeindegebiet. Bei all diesen Hochwasserereig- nissen waren die beiden Gemeinde- feuerwehren von Mariaposching und Breitenhausen tage- und näch- telang im Einsatz, um den Damm zu bewachen. Besonders in den Jahren 1988 und 2013 waren in Zusammen- arbeit mit dem Wasserwirtschafts- amt Deggendorf, den Landwirten der Gemeinde und im Jahr 2013 der ortsansässigen Firma Welo massive Stützmaßnahmen am Donaudamm erforderlich. Das Hochwasser 2013 hat die ver- antwortlichen Politiker zum Um- denken gebracht, der geplante mas- sive Ausbau der Donau zu einer Schifffahrtsstraße wurde in einen sanften Ausbau umgewandelt, mit dem eine Verstärkung und Erhö- hung des Hochwasserschutzes ein- hergeht. Den Bewohnern des Hei- wischs wird damit ein hoher Schutz geboten und das Gebiet, das die Heimat vieler Menschen ist und in dem viele Generationen vor ihnen lebten und in dem weitere Genera- tionen leben wollen, kann sich wei- terentwickeln. Bauland schaffen Die Gemeinde hat viel getan, um für junge Familien Lebensraum zu schaffen. Es soll weiteres Bauland entstehen und die ungenutzten Ge- bäude einer neuen Nutzung zuge- führt werden. An baulichen Höhepunkten bietet der Heiwisch, dessen Name sich vom ehemaligen Gerichtsbezirk „Häbisch“ ableitet, ebenfalls eini- ges. Neben alten Bauernhäusern findet man die Pfarrkirche Mariä Geburt mit ihrer rein neugotischen Ausstattung und die Filialkirche Maria Himmelfahrt in Breitenhau- sen. Ebenfalls mustergültig reno- viert wurden der Poschinger Pfarr- hof und das dazugehörende Ökono- miegebäude, sie bilden mit der Pfarrkirche eine harmonische Ein- heit. Josef Bauer Das Leben in Mariaposching ist eng mit der Donau verbunden. Bei der Ferienfreizeit für Schüler im Jahr 2020 fand die Fahrt auf der Donau mit dem Boot der Was- serwacht großen Anklang. Im Hintergrund die Fähre „Posching“. Foto: Josef Bauer Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Mariaposching 8A6LniQo

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