Heimatzeit in Rattenberg

Montag, 18. Januar 2021 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 Ein Markt mit Kunden aus drei Kreisen W er weiterdenkt, kauft nahe ein“: Diese Aussage hat Bür- germeister Dieter Schröfl über den Rattenberger Bauernmarkt getrof- fen. Das sehen die vielen Kunden des Marktes genauso und möchten ihn auf keinen Fall mehr missen. Im „Bauernjahr 1992“ hat sich der Rattenberger Bauernmarkt etabliert. Der damalige Bürger- meister Reinhard Schwarz kam auf die Idee, und Gärtnermeister Hel- mut Ettl griff den Gedanken mutig auf. Noch im selben Jahr gründete er mit acht Mitgliedern und Markt- beschickern den Bauernmarktver- ein, er selbst ist bis heute Vorsitzen- der. An einem „Sonntag nach der Kirch“ hielt man den ersten Markt- tag ab, „mäßig erfolgreich“, wie sich Ettl noch erinnert. Die Verle- gung des Markttages war die richti- ge Entscheidung, ab da belebte je- den zweiten Samstag ein buntes Marktgeschehen den Rattenberger Dorfplatz. Wie Ettl manchmal anmerkt, kaufen Kunden aus zwei Regie- rungsbezirken – Niederbayern und Oberpfalz– und drei Landkreisen – Straubing-Bogen, Cham und Regen – auf dem Rattenberger Bauern- markt ein. Und noch kein einziger Markttag ist bisher ausgefallen, we- der bei klirrender Kälte noch bei extremer Hitze. (cb) Landsmann, den Jagdverband vor- stellen wird. Mehr dazu u ter www.idowa.plus Aktionstage beleben das Marktgeschehen, wie etwa der „Bauernherbst“ mit Obstausstellung. Foto: Christa Baierl Das Erwachen aus demDornröschenschlaf Ein rühriger Förderverein kümmert sich seit zehn Jahren um die Burgruine Neurandsberg vor dem Winter zugemauert. Im nächsten Bauabschnitt erhielt das Wohngebäude ein Schutzdach, die Sanierung der östlichen Umfas- sungsmauer stand an und der Tor- bau. Heuer, 2021, wird die Siche- rung der Schalentürme und der stark von Erosion bedrängten Zwingermauer Ost in Angriff ge- nommen. Eine Heidenarbeit für den Förderverein, alle Arbeitseinsätze dokumentiert von Thomas Piller. Während der gesamten Bauzeit kann die Burganlage nicht betreten werden. Thomas Piller führt in die- ser Phase – im Heroldgewand – alle vier Wochen eine Baustellenbesich- tigung durch, die viel Interesse fin- det. Jedes Jahr findet am 15. August das Burgspektakel statt, auf dem es mittelalterlich zugeht. Barocke Wallfahrtskirche neben der Burgruine Ein weiteres bedeutendes Bau- werk findet sich gleich zu Füßen der Burgruine: die barocke Wallfahrts- kirche Mariä Geburt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, in dem die Ritterburg der Ramsperger in Neu- randsberg zerstört worden ist, er- baute man sie 1699/1700 unterhalb der Ruine. Über Kirche und Wallfahrt exis- tieren keine Urkunden. Zahlreiche Votivtafeln zeugen von vielen Ge- betserhörungen, die älteste Tafel stammt aus dem Jahr 1682. Seit die- sem Jahr ist die Marienwallfahrt in Neurandsberg bereits nachgewie- sen. Besonders lebendig war sie im 18. Jahrhundert. Heute finden keine großen Wallfahrten mehr statt. Christa Baierl Wo ist das Burgtor? Nach einer Sondage an der Stelle, wo man es vermutete, stellte Kreisarchäologe Dr. Ludwig Husty fest: „Hier be- fand sich kein Eingang. Das Tor wird in nördlicher Richtung gelegen haben.“ Bei einer Sondage im Kel- ler drang man bis zum Fußbodenbe- lag vor. Es stellte sich auch heraus, dass dieser Ort keineswegs ein Kel- ler, sondern, nach Aussage des Ar- chäologen Dr. Niederfeilner, das Erdgeschoss der Kernburg ist. Die Sanierungsarbeiten began- nen im Jahr 2019, nachdem die Fi- nanzierung gesichert war. Die vor- dringlichste Maßnahme, eine Bau- straße, wurde geschaffen, in dem steilen Gelände eine große Heraus- forderung. Bürgermeister Dieter Schröfl und Thomas Piller nahmen gemeinsam den ersten Spatenstich zur Baumaßnahme „Sanierung der Kellerräume“ vor. Über die Gewölbekeller 1 bis 3 wurde ein Satteldach errichtet. Die Löcher im Gewölbe wurden noch neurandsberger ihr Interesse an der Burg, das Thomas Piller durch seine regelmäßig abgehaltenen Burgfüh- rungen stetig verstärkt hat. In den ersten Arbeitseinsätzen haben Mit- glieder des Fördervereins Gräser und Wurzelstöcke aus Mauerfugen entfernt, Mauern vorschriftsmäßig ausgefugt, die Südflanke gefestigt, die Mauerkrone abgedichtet. „Keller“ in Wahrheit Erdgeschoss der Kernburg Vermessungsingenieur Klaus Pil- ler hat alle Mauerverläufe vermes- sen, dabei kam man zu der Erkennt- nis, dass die Kellerhöhe bei 586,8 Metern über Normalnull nahezu identisch ist mit der Bodenhöhe des Eingangstores. 2011 bekam die Burgruine einen Elektroanschluss. Im Rahmen eines Schulprojekts übernahm die 7. Klasse der Mittel- schule einen Arbeitseinsatz: Halb- schalentürme ausgraben, Strauch- schnitt, Einsammeln von Müll. reiches Entbuschen notwendig, ge- nehmigt von der Unteren Natur- schutzbehörde. Für die Neurandsberger war die Burg von jeher ein Anziehungs- punkt, ganz besonders für die Kin- der. In den Kellern, soweit zugäng- lich, konnte man sich prima verste- cken. Ein Burgschatz, nach dem alte und junge Schatzsucher gegraben haben, wurde nie gefunden, auch ein sagenumwobener Verbindungs- gang zwischen der Neurandsberger und der Altrandsberger Burg wurde nie entdeckt. Entdeckt haben aber ab Beginn der Sanierungsarbeiten auch Nicht- Rattenberg. In einer Art Dornrös- chenschlaf hat sie lange Zeit gele- gen: die Burgruine Neurandsberg. Versteckt hinter Büschen und Bäu- men waren ihre Mauern. Das hat sich geändert. Seit zehn Jahren ist ein Burgförderverein aktiv, damit der staatlich anerkannte Erho- lungsort Rattenberg seinen Gästen außer Natur und guter Luft, bayeri- scher Geselligkeit sowie Sportmög- lichkeiten auch einen guten Ein- blick in die Geschichte bieten kann. Die Burg der Ramsperger wurde im Jahr 1330 durch Friedrich Rams- perger errichtet, im Schwedenkrieg 1633 eingenommen und zerstört, heute steht nur noch die Ruine auf dem Berg. Im Zuge der ILE, der in- tegrierten ländlichen Entwicklung aus dem Jahr 2010, wurde die Sa- nierung der Burg in Angriff genom- men. Der Schwerpunkt liegt auf der Erhaltung der Anlage, plus Ausgra- bungen, Abholzung des Burginnen- raumes sowie Freilegung der Grundmauern und des Burgturms. Später soll die Burganlage für kul- turelle Veranstaltungen genutzt werden. Mit dieser Zielsetzung gründete Thomas Piller, der die treibende Kraft war und bis heute ist, im Ok- tober 2010 mit 23 Mitgliedern den Burgförderverein. Bis heute sind über 100 Personen dem Verein bei- getreten, unter ihnen sämtliche Ge- meinderäte mit Bürgermeister Die- ter Schröfl – die Gemeinde Ratten- berg ist Besitzerin der Burg. Fahne gehisst und Burgpflege begonnen Als erste Tat des neu gegründeten Burgvereins wurde die Rattenber- ger Gemeindefahne auf der Burg- mauer gehisst, später ersetzt durch eine Vereinsfahne. Die Burg sollte auch wieder sichtbar sein – sie war rundum mit Baum und Gesträuch eingewachsen. Dazu war umfang- Aus der Luft lässt sich die imposante Anlage der ehemaligen Burg vollständig überblicken. Zu Füßen der Ruine wurde später die Wallfahrtskirche Mariä Geburt gebaut. Foto: Dr. Stephan Sterr Dieses Gewölbe musste gestützt werden. Für die Arbeiten an und um die Burg- ruine sind stets viele Helfer im Einsatz. Foto: Christa Baierl Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Rattenberg STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de kreis & quer W ie wird das Leben ab diesem Montag aussehen, in Läden und im ÖPNV? Wobei... sehen ist vielleicht das falsche Wort. Denn das Ergebnis ausführlicher Trage- tests lautet: Mit einer FFP2-Maske fehlt einem der Blindenstock. Setzt man erst die Maske, dann die Brille auf, sieht man, weil sie nicht richtig aufliegt, die Welt in Wellenlinien und fällt hin. Oder die Brille knallt aufs Pflaster, weil sie einem von der Nase fällt. Setzt man erst die Brille, dann die Maske auf – wobei die Ohrschlaufen sich um die Brillenbügel wickeln –, bekommt man Kopfweh, und die Alles wunderbar Brille beschlägt zu Milchglas (und man fällt hin). Will man die Maske absetzen, wird die Brille mitgeris- sen und knallt aufs Pflaster. Also Brille ab, Maske auf. Man sieht die Welt als bunte Kleckse und liest im Zug die Zeitung im Fünf- Zentimeter-Abstand. – Manchmal heißt es, eine Brille sei für die Augen ein gewisser Schutz vor Viren. Tja. Ob die Zeitung auch hilft? Der Zugbegleiter rätselt, ob es ihn beim ganztägigen Atmen durch die Maske nicht vielleicht umhaut. Die Sorge ist berechtigt: Ein Be- kannter hat schon zwei Leute, die FFP2-Maske trugen, mitten im Ge- spräch in Ohnmacht sinken sehen. Besagter Zugbegleiter ist jener, der den Satz „auf Wiedersehen und einen schönen Tag“ aus Versehen einmal zu „auf Wiederschön“ ver- kürzt hat. – Weil keiner so recht weiß, was derzeit zu erwarten ist, denkt er über eine neue Grußformel nach, die „guten Morgen und einen wunderschönen Tag“ ersetzt: „Gu- ten Wundertag.“ –map– Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Straubing-Bogen: Neue Maskenverordnung: der richtige Umgang mit FFP2-Masken................... 15 Aiterhofen: Nachruf für Ehrenbürger und Altbürgermeister Erwin Rohrmeier.................... 17 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de 8A6LniQo

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