Heimatzeit Haselbach

Montag, 26. Oktober 2020 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 „Irgendwann stehen wir wieder auf der Bühne“ Die Prinzengarde des KTSV Haselbach trainiert und hofft auf den Fasching 2021/22 Haselbach. Das Jubiläum „50 Jahre Faschingszug in Haselbach“ konnte im Februar noch groß gefei- ert werden. Mit dabei seit 2003 der Karnevalistische Tanzsportverein KTSV mit Prinzenpaar und Garde. Doch dann zog die Corona-Pande- mie einen Schlussstrich unter das fröhliche Treiben und auch das Training der Prinzengarde musste eingestellt werden. Nach langen Monaten der Pause wird jetzt wie- der geprobt. Die Zuversicht bei al- len Beteiligten ist groß. „Irgendwann stehen wir sicher wieder auf der Bühne“, sind die Garde-Betreuerinnen Silke Bach und Anita Schläger überzeugt und betonen, dass ihnen derzeit vor al- lem wichtig ist, dass die Kinder wieder zusammenkommen und tan- zen können. Sie sind froh, dass die Gemeinde um Bürgermeister Simon Hass für das Training die Turnhalle wieder zur Verfügung stellt. „Trotz abgesagter Veranstaltungen wollen wir unsere Tänzerinnen fit halten“, sagen sie. Ein Rückblick auf frühere Zeiten zeigt, dass Fasching in Haselbach ohne die Gardemädchen mit Prin- zenpaaren nicht denkbar ist. Das begann immer schon im November, wenn traditionell am 11.11. das Prinzenpaar mit der Jugendgarde des KTSV Haselbach das Rathaus stürmte, den Bürgermeister fesselte und das Regiment übernahm. Der frühere Bürgermeister Hans Sykora musste den Rathausschlüs- sel und die Gemeindekasse an das frisch inthronisierte Prinzenpaar übergeben. Offiziell eröffnete dann der KTSV-Präsident die fünfte Jah- reszeit. Mit der Ordensverleihung an Mitglieder, Freunde des KTSV und viele ehrenamtliche Helfer hat- te das frischgebackene Prinzenpaar dann seine erste Aufgabe zu erfül- len. Ein Abend der Superlative Ein weiteres großes Ereignis war stets der glanzvolle Inthronisations- ball im Markmillersaal in Strau- bing. Ein Fest, auf das die Garde- mädchen und ihre Betreuerinnen hinfieberten und hart trainierten. „Das war immer ein Abend der Su- perlative und Überraschungen“, er- zählen die Garde-Betreuerinnen. Im Mittelpunkt des Ballabends stand zunächst das strahlende Faschings- prinzenpaar mit seiner Antrittsrede und dem Prinzenwalzer. Dann wa- ren immer die Gardemädchen mit verschiedenen Tänzen an der Reihe. Doch das alles ist coronabedingt erst einmal Vergangenheit. Nach langer Pause trifft man sich jetzt aber wieder zweimal pro Wo- che: einmal zum Tanz und einmal zum Turnen. Die Mädchen sind zwi- schen sechs und 16 Jahre alt und üben unter Einhaltung aller Hygie- neregeln mit großem Eifer und viel Konzentration. „Wir haben das Training für die Wintersaison sehr vermisst“, betont die Mutter eines Gardemädchens. „Die Kinder brau- chen unbedingt die Bewegung und auch die Gesellschaft der anderen Mädchen.“ Faschingszug 2021 ungewiss Ein bisschen steif geworden seien sie zwar schon, die kleinen und gro- ßen Gardemädchen, aber sie haben nichts verlernt, betonen die Jugend- trainerinnen Sarah Preisch und An- nalena Schläger. Und bei der schwungvollen, rhythmischen Mu- sik scheint alles wie von selbst zu gehen. Betreuerin Silke Bach hofft, dass auch weiter alles gut läuft. Ob der 51. Faschingszug 2021 starten kann, sei aber noch nicht sicher, denn ob die Gemeinde eine Groß- veranstaltung mit rund 3000 Besu- chern abhalten darf und will, bleibe abzuwarten. „Das ist für die Vereine natürlich schwierig, weil die Fa- schingswagen rechtzeitig gebaut werden müssen“, erklärt Bach wei- ter. Aber an Ideen für ein corona- taugliches Konzept für ein Fa- schingsvergnügen im Februar wür- de es dem ehrenamtlichen Team von Anita Schläger, Silke Bach und Tat- jana Schmidt nicht mangeln. Verra- ten wird aber natürlich noch nichts. Suche nach Tänzern „Ganz wichtig ist es uns, die Kin- der bei der Stange zu halten, damit der KTSV am Leben bleiben kann“, sagt Silke Bach. Und natürlich sei man immer auf der Suche nach neu- en Tanzmäusen sowohl für das Tur- nen ab drei Jahren als auch für den Garde- und Showtanz ab sechs Jah- ren. Gerne dürfen sich auch alle Tanzbären und -bärinnen melden und jeder, der mal gern herumkas- pert, meint Silke Bach. Für die Ses- sion 2021/2022 wird auch ein Prin- zenpaar gesucht, mit dem dann hof- fentlich am 11.11. 2021 der Fasching wieder eröffnet werden kann. Mit einem Gedicht und dem Bild eines traurigen Clowns klagen Silke Bach, Anita Schläger und Tatjana Schmidt über die Zeit ohne Feste und Feiern. Es endet so: „A Pause schod nia ned, vadient hätt mas scho. Trotzdem is sche bläd, dass ma koan Fasching feian ko.“ Von Elisabeth Röhn Die Mädchen der Prinzengarde sind seit Kurzem wieder fleißig am Trainieren. Sie wollen sich für die Zukunft fit halten und hoffen, dass sie bald wieder auf Ver- anstaltungen tanzen dürfen. Foto: Elisabeth Röhn Beim 50. Faschingszug in Haselbach im Februar dieses Jahres drängten sich die Zuschauer. Mittendrin die Prinzengarde des KTSV. Foto: Silke Bach Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Haselbach STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Haibach: Zu den Wanderwegen sind jetzt auch QR-Codes abrufbar ................ 17 Mitterfels: Die Pläne für das frühere Haus des Gastes im Rathaus vorgestellt ........... 18 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de kreis & quer A rchäologen sind am glücklichs- ten, wenn die Zeugnisse der Vergangenheit im Boden bleiben können, denn dort sind sie am bes- ten geschützt. Naturexperten haben eine ganz ähnliche Haltung: Über seltene Tiere, die man entdeckt, re- det man am besten nicht. Auf gar keinen Fall aber verrät man den ge- nauen Ort des Vorkommens – weil sonst jeder exakt dort hinrumpelt, wo sie leben. Bis sie deswegen dann dort nicht mehr leben. Man kennt das Phänomen so ähn- lich von beliebten Selfie-Hotspots: Jeder versucht, den angeblich einsa- men Strand so ins Bild zu kriegen, dass er wirkt, als seien die 200 an- deren Leute nicht da. Und dann Fern bleiben wundern die Besucher sich noch, dass die Einheimischen von ihnen die Nase gestrichen voll haben. Erst recht kapieren solche Men- schen nicht, dass sie vielleicht ihrer Katze die Linse ihres Mobiltelefons im 30-Zentimeter-Abstand vors Ge- sicht halten können (falls der das nicht passt, kriegt man unter Um- ständen freilich eine gewischt), aber keinem Wildtier. Es hat gute Grün- de, warum Naturfotografen in 300 Metern Entfernung mit einem Rie- senteleobjektiv und getarnt im Un- terholz sitzen, wenn sie seltene Tie- re ablichten wollen. Eine Exkursion ins Tal der Ah- nungslosen freilich sorgt manchmal auch für Frust: Da hat ein Fotograf seit Mitternacht auf der Lauer gele- gen, um die Balz des Auerhahns ab- zulichten. Doch kaum graut der Morgen, brettert ein Mountainbike- fahrer durch den Wald. Der Hahn klappt irritiert die Federn ein: Balz für diesen Tag beendet. –map– Die Totentanzkapelle Malereien aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts E ine Kapelle zu Ehren der Hei- ligen Erzengel Michael, Ga- briel und Rafael ließ Balthasar Regler, Mönch aus Oberalteich und von 1667 bis 1673 Pfarrvikar in Haselbach, erbauen. So besagt es die Inschrift in der Kapelle. Heute ist sie bekannt als Totentanz-Ka- pelle. „Die Wandbilder sind die zweitältesten Totentanzdarstel- lungen in Niederbayern“, sagt Eli- sabeth Vogl, Kunsthistorikerin, Archäologin und Vorsitzende des Burgmuseumsvereins Mitterfels. Die Bilder seien zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Haselbach ent- standen, und zwar als Seccomale- rei. Das bedeutet, dass sie auf den getrockneten Putz aufgetragen worden sind. Sie zeigen, dass der Tod bei seiner Wahl keine Unter- schiede zwischen den Menschen macht, selbst die Reichen und Mächtigen müssen ihm folgen. Im 14. Jahrhundert sei die Dar- stellung des Todes in der Form des Totentanzes aufgekommen, so Vogl. Also zu einer Zeit, als Hun- gersnöte und Seuchen, vor allem die Pest, über Europa hereinbra- chen. Als die 20 Szenen der Hasel- bacher Totentanzmalereien ent- standen, war das Thema weit ver- breitet. Die Bildmotive folgen den Holzschnitten Hans Holbeins des Jüngeren, dessen Bilder als künst- lerischer Höhepunkt der Toten- tanzdarstellungen gelten. -rev- Der schlichte Altartisch stammt aus der Erbauungszeit der Kirche um 1670. Die Malereien sind erst später entstanden. Foto: Elisabeth Röhn 8A6LniQo

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