Heimatzeit Perasdorf

Montag, 12. Oktober 2020 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Windberg: Freundeskreis der Abtei hat in 15 Jahren 83600 Euro beigesteuert ........ 16 Konzell: Es gibt jetzt einen Förderverein für das Bräuhaus Gossersdorf............ 17 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de kreis & quer M an merkt, dass Halloween nä- herkommt: In den Läden hän- gen Gruselkostüme. Als ob das Jahr als solches nicht eigentlich bisher gruselig genug gewesen wäre... Trägt man an Halloween die Mas- ke über der Maske? Also das Grusel- accessoire über dem Nase-Mund- Schutz? Oder gibt es dieses Jahr Halloween-Kostüme mit integrier- ter Filtermaske? – Auf alle Fälle bringt das weiße, zu einer Fratze des Grauens erstarrte Gummigesicht, das stark an Edvard Munchs Ge- mälde „Der Schrei“ erinnert, ziem- lich gut auf den Punkt, wie alle im Corona-Jahr sich derzeit fühlen. Wandelnder Schrecken (Auf einen Nase-Mund-Schutz auf- gedruckt soll es das Munch-Motiv in der Tat übrigens auch schon geben.) Ob sich aber heuer wirklich je- mand in ein Halloween-Kostüm werfen wird? Wilde Partys gibt es ja mit Sicherheit mal keine. Und die Erinnerung daran, wie schnell es ei- nen jederzeit erwischen kann, lie- fert schon täglich das Robert-Koch- Institut. Es ist zu beobachten, dass auch bei den Alltagsmasken liebliche oder lustige Motive bei weitem überwiegen. Oft sieht man welche, die ihrem Träger ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sei es mittels auf- gestickter Goldfäden oder indem ein Foto des eigenen Mundes aufge- druckt wurde. „Nur redet mich, wenn ich diesen Mundschutz trage, ständig jemand an, ich soll doch bit- te meine Maske aufsetzen“, hat ei- ner neulich sich beschwert. – Der wahre Schrecken im Jahre 2020 ist ein blankes Antlitz... –map– Ein wahres Herzensprojekt Seit 1963 sind die Wasserspiele an der Hauersäge in Betrieb Von Sandra Hartl W er von Perasdorf nach Kostenz fährt, mag hinter einer Kurve von einem un- gewöhnlichen Anblick überrascht werden: Hinter knallbunten Schil- dern tanzen und hüpfen Hunderte liebevoll bemalte und bekleidete Miniaturpüppchen herum, ange- trieben nur von der Wasserkraft des Mühlbogenbachs. „Auch Leute, die nicht wissen, wo eigentlich Peras- dorf liegt, kennen unsere Gemeinde für die Wasserspiele“, sagt Sieglin- de Ettl, die das Spektakel seit 2011 betreibt. Schon beim Öffnen der Autotür schlägt einem das monotone Rau- schen des Mühlbogenbachs entge- gen, im Hintergrund klappern im Takt die Figuren der „Zwergerl- mühle“. Mehrere Puppen tanzen, eine Holzkuh grast und drei Minia- turmännchen hämmern emsig auf ihr Werkstück ein. Mitten im Geschehen wuseln Be- treiberin Sieglinde Ettl und ihr Mann umher. „Es gibt hier immer was zu tun“, erzählt sie. Jeden Mor- gen, von Ostern bis ungefähr Ende Oktober, setzt sie die Mühlräder in Betrieb, die dann allein mit der Kraft des Wassers die Puppen und Holzfiguren antreiben. „Das Ausmaß hat sich einfach so ergeben“ Die ersten davon hat Ettls Cousin, der in der anliegenden Hauersäge gearbeitet hat, im Jahr 1963 gebaut. Damals brachte das große Rad der Sägemühle die Anlage in Bewe- gung. Dieses ist aber inzwischen nicht mehr in Betrieb. Über die Jah- re kamen immer mehr bewegte Pup- pen hinzu. „Dieses Ausmaß war ei- gentlich nicht geplant. Das hat sich nach und nach so ergeben“, erzählt Ettl mit einem Lächeln. Inzwischen ist die gesamte Wiese mit den fröhlichen Figuren bevöl- kert. Beim genauen Betrachten fällt auf, dass deren Anordnung nicht etwa willkürlich ist: Der Zuschauer kann eine Reise in längst vergange- ne Zeiten erleben. In vielen der klei- nen Häuser sind Menschen aus der Entstehungszeit der Wasserspiele, den 60er-Jahren, nachgestellt. Eini- ge arbeiten am Webstuhl oder auf dem Bau, andere schaukeln die Wie- ge ihres Kindes, und der Rest tanzt ausgelassen. Auffällig ist auch, dass sich die gesamte Anlage im Freien befindet und damit dem Wetter ausgesetzt ist. „Ungefähr alle sechs Jahre müs- sen die Figuren restauriert oder ausgetauscht werden“, erzählt Ettl. Das sei oftmals gar nicht so leicht, da einige der Holzskulpturen akri- bisch ausgeschnitten werden müs- sen und aufrecht stehende Puppen ohne weitere Funktion, wie bei- spielsweise das Sprechen, heutzuta- ge nicht mehr leicht zu finden seien. Bis zu ihrem Tod hat sich Sieglin- de Ettls Mutter, Sophie Stiglmeier, um den Erhalt der Wasserspiele ge- kümmert, bis ins hohe Alter. An sie erinnert auch heute eine Gedenkta- fel, die vor der Szenerie aufgestellt wurde und sich durch die Gestal- tung im Stil der Figuren nahtlos in das Bild einfügt. „Schon immer wa- ren die Puppenspiele eine Herzens- angelegenheit in meiner Familie“, sagt Ettl. Seit 2011 kümmert sich nun sie um die farbenfrohe Welt. Ringen um eine Lösung mit der Genehmigungsbehörde Ebenfalls seit 2011 gibt es aller- dings auch ein Ringen um eine Lö- sung mit der Genehmigungsbehörde im Landratsamt Straubing-Bogen, denn nach nicht erfolgter offizieller Genehmigung musste diese 2019 erst einmal nachgeholt werden. Nun laute eine Vorgabe vonseiten des Landratsamtes, dass der Bogenbach durchgängig sein muss, was er nun durch die Mühlräder nicht ist. Des- halb solle jetzt die Aufstauung bau- lich erneuert werden, sodass der Übergang für Fische mit einer Fischaufstiegshilfe verwirklicht werden könne. Nach zahlreichen Absprachen mit den Fachbehörden sei inzwi- schen die geforderte Planung er- stellt worden. Sobald der positive Bescheid eingeht, werde mit der Umsetzung begonnen. „Besonders dankbar bin ich meinen Grund- stücksnachbarn, den Familien Ber- ger, Retzer und Steinkirchner, dafür, dass sie mir die Zufahrt und die Parkplätze zur Verfügung stellen“, sagt Ettl. Ohne sie und die Spenden der Besucher sei der Erhalt nicht möglich gewesen. Denn obwohl dieser sehr kost- spielig sei und Ettl weder Unter- stützung vonseiten des Staates be- kommt noch Hilfe von anderen Gönnern erhält, wolle sie sich den- noch weiterhin für das Herzenspro- jekt ihrer Familie starkmachen, sagt sie. Schließlich wolle sie, dass die Familientradition weiterlebt. Während des Gesprächs fährt ein Auto vor, eine junge Familie steigt aus. Der Vater trägt den kleinen Leonard zu dem Rasen bei den Was- serspielen und zeigt ihm die Figür- chen. Sichtlich begeistert, möchte der kleine Bub sofort selbst die Landschaft erkunden. Sieglinde Ettl gibt sich erfreut über den Be- such: „Ich finde es immer wieder schön, wenn auch Kinder sich für diese Anlage aus dem vergangenen Jahrhundert begeistern können.“ Landsmann, den Jagdverband vor- stellen wird. Mehr dazu u ter www.idowa.plus *** Wer aufrecht stehende Puppen ohne zusätzliche Funktionen übrig hat, kann diese bei den Wasserspie- len in Perasdorf, Mühlbogen 5, ab- geben. Sieglinde Ettl steht vor ihrem „Zwergerlland“. Sie bemüht sich sehr um die Erhaltung der Wasserspiele. Fotos: Sandra Hartl Auch für Kinder wie den kleinen Leonard sind die Wasserspiele eine echte At- traktion. Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Perasdorf 8A6LniQo

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