Heimatzeit Irlbach

Montag, 5. Oktober 2020 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Bogen: Philip Sloma beschreibt seine Eindrücke von der Grundaus- bildung bei der Bundeswehr . 15 Straubing-Bogen: Landrat Josef Laumer als Vor- sitzender des Zweckverbandes wiedergewählt ........................ 17 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de Irlbach. Im Gäuboden – direkt an der Donau – liegt die Gemeinde Irl- bach. Wie viele Orte im Gäuboden wurden auch in Irlbach zahlreiche historische Fundstücke entdeckt, die zum Teil im Gäubodenmuseum in Straubing ausgestellt sind. Den wichtigsten Teil ihrer Geschichte hat die 1139 Einwohner zählende Gemeinde jedoch wohl im Zuge der Gebietsreform geschrieben, die die Eingliederung Irlbachs in die Ge- meinde Straßkirchen vorsah. Der 1. Mai 1978 war in der Ge- schichte der Gemeinde Irlbach ein schwarzer Tag. An diesem Tag wur- de die Gemeinde zwangsweise in die wenige Kilometer entfernte Nach- bargemeinschaft Straßkirchen inte- griert. Dabei hatte ausgerechnet Straßkirchen auf der Einheitsge- meinde mit Auflösung der Gemein- de Irlbach bestanden. Keine VG, sondern eine Einheitsgemeinde Begonnen hatte der Streit zwi- schen Irlbach und Straßkirchen im Jahr 1976. Mit der vom Landtags- ausschuss gegründeten Verwal- tungsgemeinschaft (VG) Straßkir- chen war die Gemeinde Irlbach ein- verstanden, jedoch beharrte Straß- kirchen auf einer Einheitsgemeinde. Diese Unselbstständigkeit wollte die Gemeinde Irlbach aber nicht eingehen und zog alle Register, sich „Wir sind Irlbacher und das wollen wir bleiben“ Die Popularklage beim Bayerischen Verfassungsgerichtshof war erfolgreich. Eine halbe Stunde lang läuteten sogar die Kirchenglocken. Gemeinde Irlbach bleibt selbstständig dem zur Wehr zu setzen. Ein Urteil des Verwaltungsgerichtshofes vom 12. April 1978 bestätigte zunächst die Eingemeindung. Die Irlbacher erkannten dies aber nicht an und plädierten auf ihre Selbstständig- keit. Und der SPD-Ortsverein stell- te klar: „Irlbach ist stark genug und ausreichend leistungsfähig, um sei- ne innere Selbstständigkeit auch über die Gemeindegebietsreform hinaus zu erhalten. Wir wollen kei- nen einsamen Weg gehen, sondern suchen echte Partnerschaft und enge Zusammenarbeit mit der Ge- meinde Straßkirchen.“ Die Schaf- fung einer Verwaltungsgemein- schaft mit Irlbach und Straßkirchen sei dabei die bessere Lösung. Um die eigenständige Gemeinde am Leben zu erhalten, reichte Irl- bach eine Popularklage beim Baye- rischen Verfassungsgerichtshof in München ein. Mit Erfolg – am 3. No- vember 1983 fällte der Verfassungs- gerichtshof, nach Jahren des Ge- richtsstreits, das Urteil, dass die Eingemeindung nach Straßkirchen verfassungswidrig ist und erklärte Irlbach seine Gemeindehoheit. Zur Urteilsverkündigung waren einige Irlbacher und Entauer – Entau wur- de per Gerichtsurteil in die Gemein- de Irlbach aufgenommen – nach München gefahren, um das Urteil alsbald zu erfahren. Gegen 18.30 kam der Bus laut hupend aus Mün- chen zurück und überbrachte die frohe Nachricht. Am selben Tag fei- erten die Irlbacher das Urteil bis tief in die Nacht im Gasthaus Karl. Die Irlbacher Bürger hatten fest an ihre Gemeinde geglaubt und schon von vornherein mit dem Mes- ner abgesprochen, dass, wenn das Urteil zu ihren Gunsten ausfällt, die Kirchenglocken den Erfolg unter- mauern sollen. So läuteten am 3. November 1983 die Kirchenglocken der Kirche Mariä Himmelfahrt in Irlbach von 15.15 bis 15.45 Uhr. Nach dem Urteil zu Irlbachs wie- dergewonnener Freiheit wurde vom 23. bis 26. August 1984 unter dem Motto „Die Gemeinde Irlbach, sie lebe hoch!“ ein großes Selbststän- digkeitsfest in Irlbach gefeiert. Es war Freude und Genugtuung zu- gleich, wegen der die Irlbacher die- ses Fest organisierten. Drei Tage lang haben die Gemeindebürger und Ortsvereine sich alle Mühe ge- geben, um den Erfolg zu zelebrie- ren. Der Fokus der Festivität lag da- bei auf einem Dankgottesdienst, dem Festabend, an dem die Bemü- hungen der Irlbacher ausgiebig ge- feiert wurden, sowie der Einwei- hung der renovierten „Weißen Mar- ter“, die einst als Symbol gutnach- barschaftlicher Beziehungen zwi- schen Straßkirchen und Irlbach er- richtet worden war. Verfassungsbeschwerde aber war erfolglos Die Gemeinde Straßkirchen woll- te das Urteil jedoch nicht annehmen und reichte eine Verfassungsbe- schwerde beim Bundesverfassungs- gericht in Karlsruhe ein. Da sich dieses für nicht zuständig erklärte, entwarf das Bayerische Innenminis- terium die Bildung einer Verwal- tungsgemeinschaft. Obwohl die Ge- meinden Irlbach und Straßkirchen gegen den Entwurf stimmten, be- schloss der Bayerische Landtag am 1. Januar 1986 die Verwaltungsge- meinschaft Straßkirchen. Mit der jetzigen Verwaltungsgemeinschaft hat sich die Gemeinde Irlbach ange- freundet, jedoch wird ein Irlbacher immer ein Irlbacher sein. Cornelia Bottke Lange haben die Irlbacher für ihre Unabhängigkeit gekämpft – und den Erfolg dann auch kräftig gefeiert. Foto: Cornelia Bottke kreis & quer A m Tag, als in Regensburg keine Busse fuhren, hat man in der Stadt Straubing einen kleines Ket- tenfahrzeug in Tarnfarben mit ei- nem Affenzahn die Straße entlang preschen sehen. Man hat sich schon gefragt, ob das Ding als Streikbre- cher im Einsatz war, aber in Strau- bing fuhren die Stadtbusse ja, da deren Fahrer in Wahrheit für die Firma Ebenbeck arbeiten und nicht für die Stadtwerke. Nächste Idee: Das war bestimmt einer, der beim „Schnellen Luchs“ mitmacht. Schnell war er auf alle Fälle schon mal. Andererseits: Be- ginnt das Manöver nicht erst am 19. Oktober? Aber vielleicht war das die Übung vor der Übung. Apropos Luchs: Um den Späh- panzer Luchs handelte es sich bei Wiesel unterwegs dem Gefährt wohl auch nicht, denn nach allem, was man weiß, fährt der gar nicht auf Ketten. Der schnelle Kettenflitzer war zudem nicht be- sonders groß. Vielleicht ein Wiesel? Wieselflink – das würd’ passen. Ist der auf Rädern fahrende Luchs nicht außerdem schon außer Dienst gestellt? – Wieso aber heißt dann die Übung immer noch nach ihm und nicht „Schneller Wiesel“ oder so? Möglicherweise heißt die Übung aber gar nicht nach dem Spähpanzer, sondern nach demTier, das freilaufend im Bayerischen Wald immer öfter wieder anzutref- fen ist. Übungsraum sind allerdings der Gäuboden und das Labertal... Aber so oder so: Vermutlich wur- de schon der Panzer nach dem Tier benannt. – Was nun freilich ebenso wenig einleuchtet. Denn Pinseloh- ren hatte das Ding mit dem Kano- nenrohr doch wohl noch nie. –map– Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Irlbach Klein, aber fein – der Irlbacher Dorfladen Dorfladen als Gemeinschaftsprojekt realisiert – Alleinstellungsmerkmal für die Gemeinde V or einigen Jahren befand sich die Gemeinde Irlbach in ei- ner schwierigen Situation: Das letzte Lebensmittelgeschäft hatte geschlossen, wo sollten sie nun ihre Einkäufe tätigen? Der da- malige 2. Bürgermeister hatte dann die Idee, einen Dorfladen zu eröff- nen. Die Bürger fanden das Konzept des Dorfladens gut und haben dies 2013 als Gemeinschaftsprojekt rea- lisiert. In dem kleinen Laden gegenüber dem Rathaus werden den Irlbacher Bürgern auf 58 Quadratmetern alle notwendigen Produkte für das täg- liche Leben angeboten. Von Nudeln über Schokolade, Zahnpasta bis hin zum regionalen Schnaps und Honig steht für ihr Wohlergehen alles zur Auswahl. Beim Gemüse wird darauf geachtet, regionale Produkte anzu- bieten, um auch die Bauern in der Region zu unterstützen. Besonders die Älteren nehmen den Laden gut an Besonders von den älteren Bür- gern wird der Dorfladen sehr gut angenommen, bietet ihnen dieser eben ein Stück Selbstständigkeit. Auch die Kinder kaufen dort gerne ein, immerhin ist es ja sehr prak- tisch, sich auf dem Weg zur Bushal- testelle noch eben die Brotzeit oder einen Schokoriegel zu kaufen. Bis auf die Verkäuferinnen, die auf 450-Euro-Basis bzw. Teilzeit beschäftigt sind, arbeiten alle Mit- wirkenden am Dorfladen auf ehren- amtlicher Basis, auch Geschäfts- führerin Johanna Häusler-Gratzl. Für die älteren, kranken oder im- mobilen Bürger Irlbachs bietet der Laden sogar einen Lieferservice an. Sie können telefonisch die Bestel- lung aufgeben und bekommen den Einkauf nach Hause geliefert. In Zeiten von Corona musste der Dorfladen seine Öffnungszeiten an- passen. So ist der Einkauf aktuell Montag bis Samstag von 6.30 bis 12 Uhr möglich. Doch trotz der geän- derten Zeiten kaufen die Irlbacher weiter fleißig ein. „Wenn sich die angespannte Situation aufgrund von Corona wieder normalisiert hat, können wir unseren Laden auch wieder ganztägig öffnen“, sagte Jo- hanna Häusler-Gratzl. Wann dies der Fall sein wird, ist jedoch noch nicht absehbar. Der Laden hat ein besonderes Ambiente, immerhin kennt man sich dort und ist nicht ei- ner von vielen anonymen Kunden, die nur schnell den Einkauf erledi- gen. Hier nimmt man sich auch ger- ne mal Zeit für einen „Ratsch“ mit den Kunden und verleiht dem Ein- kauf dadurch ein besonderes Flair. Auch bei den Vereinen findet der Dorfladen großen Anklang. Regel- mäßig bestellen diese für ihre Feiern oder Veranstaltungen beim Dorfla- den und unterstützen diesen zudem durch Veranstaltungen zu dessen Gunsten. So hat zum Beispiel die Blaskapelle Donautal das erfolgrei- che „Irlbeggara Voixfest-Konzert“ organisiert, um wegen der Corona- Pandemie Spenden für den Dorfla- den zu sammeln. „Wenn jeder Bürger am Tag für zwei Euro bei uns im Dorfladen ein- kauft, ist seine Existenz gesichert“, so Häusler-Gratzl. In Zeiten von Discountern und Vollsortimentern ist der Dorfladen ein Alleinstel- lungsmerkmal für die Gemeinde Irl- bach, das auf jeden Fall weiterhin Unterstützung bekommen wird. Bürger, die sich gemeinsam für etwas einsetzen Der Irlbacher Dorfladen zeigt, dass auch eine kleine Gemeinde et- was Besonderes auf die Beine stel- len kann. Alles, was es dafür braucht, sind Bürger, die im Zusam- menhalt etwas für die anderen Bür- ger und die Gemeinde tun. Nur das Miteinander und gemeinsame Ar- beiten hält das Projekt Dorfladen am Leben. Gerade deshalb ist es wichtig, dass sich auch zukünftig Menschen freiwillig für oder im Dorfladen engagieren. Cornelia Bottke „Wenn jeder Bürger am Tag für zwei Euro bei uns im Dorfladen einkauft, ist seine Existenz gesichert“, sagt die ehrenamt- liche Geschäftsführerin Johanna Häusler-Gratzl. Foto: Gerda Bachl-Staudinger 8A6LniQo

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