Heimatzeit Stallwang

Montag, 3. August 2020 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 Heute gibt es Fernwanderwege W eite Strecken zu Fuß zurück- zulegen – das war einst die übliche Art des Transports. Stall- wang liegt an einem der Wege, die ins Böhmische führten. Heute ist die Fortbewegung auf Schusters Rap- pen mit Freizeit verbunden, und Fernwanderwege mit bekannten Namen führen durch Stallwang: der Goldsteig und der Jakobsweg. Der Jakobsweg ist ein uralter Pil- gerweg; er war aber sehr stark in Vergessenheit geraten. Seit den Neunzigerjahren wurde er in vielen Gemeinden neu belebt. Er beginnt an der tschechisch-bayerischen Grenze in Eschlkam. Von dort nach Regensburg führt die ostbayerische Route des Jakobswegs auch durch die Gemeinde Stallwang. Die Katholische Erwachsenenbil- dung (KEB) Straubing-Bogen bietet geführte Pilgerwanderungen in drei Etappen bis Wörth an. Dabei pas- siert wird im Bereich der Gemeinde Stallwang auch ein Markierungs- stein mit Jakobssymbol. Für die Aufstellung dieses Markierungs- steins hat Pilgerbegleiter Fridolin Wenninger im Jahr 2016 gesorgt. Der Goldsteig nutzt zum Teil die- selbe Route wie der Jakobsweg. Doch während der Jakobsweg nach Stallwang hinein führt, verläuft der Goldsteigweg daran vorbei. Die 14. Etappe des Goldsteigs auf der durch den Landkreis verlaufenden Süd- route führt von Haunkenzell über den Gallner nach Konzell. Der Goldsteig wird oft als längster und vielseitigster Prädikatswanderweg Deutschlands bezeichnet. –map– Ein Bild aus dem Jahr 2016: Da wurde dieser Kilometerstein – 2771 Kilome- ter nach Santiago de Compostela – für den Jakobsweg in Stallwang aufge- stellt. Foto: Michael Neuberger Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Stallwang Von einer uralten Handelsstraße bis zur B20 Stallwang hat von Verkehrsverbindungen profitiert – Einst große Bedeutung der Post wurde. Für die neue Streckenfüh- rung der B20 gibt es Planungen für einen mehrspurigen Ausbau, um dem erhöhten Verkehrsaufkommen gerecht zu werden. UmfangreichesBilderarchiv vorhanden Von der einstigen Motorpostlinie gibt es ein historisches Bild, es stammt aus der Sammlung von Edi Faltl. Dieser hat über viele Jahre hinweg alles zusammengetragen, was er zum Ort finden konnte. Auch war er selbst als eifriger Fotograf unterwegs und hat alles festgehal- ten. Mittlerweile hat er seinen Be- sitz an Herbert Zankl weitergege- ben, der die Bilder für die Gemeinde digitalisiert und archiviert hat. Zu- dem haben beide einige Jahre lang gemeinsam im Zeitungsarchiv in unzähligen Stunden alte Berichte zum Ortsgeschehen durchforstet. Die so entstandene umfangreiche Sammlung von Bildern und Berich- ten ist für die Gemeinde Stallwang von unschätzbarem Wert, gibt sie doch Zeugnis über die Historie des Ortes, über seine Menschen und de- ren Geschichten. Andrea Völkl Strecke über den Steinberg war nicht mehr zeitgemäß. In den 1980er-Jahren wurde eine Umge- hungsstraße gebaut. Sie führt jetzt westlich an Stallwang vorbei, der Fernverkehr wurde aus dem Ort ge- leitet. Die Qualität als Wohnort hat sich für das Dorf mit der Umge- hungsstraße wesentlich verbessert. Mit den Grenzöffnungen nahm der Verkehr auf der B20 von Jahr zu Jahr zu. Gerade aus Tschechien und Polen durchfahren viele Fahrzeuge das Gemeindegebiet. Die geografische Lage mit drei aus verschiedenen Richtungen zu- sammenfließenden Bächen und die sich kreuzenden Straßen, von Zin- zenzell kommend nach Konzell so- wie die frühere B20, begrenzen die baulichen Möglichkeiten im Dorf. Es geht halt immer irgendwo berg- auf. Das hat allerdings den Vorteil, dass man meistens eine schöne Aus- sicht hat. Wo das Radfahren in der Vergan- genheit immer unter dem sportli- chen Aspekt gesehen werden muss- te, wird es jetzt, in E-Bike-Zeiten, leichter, die reizvolle Umgebung nä- her kennenzulernen. Oft ist man dann auch dort unterwegs, wo die alte Handelsstraße führte, die frü- her von der Postkutsche befahren Unterlagen ist nachzulesen, dass eine Fahrt mit der Postkutsche von der Gäubodenstadt bis Stallwang vier Stunden dauerte. Mit der Inbe- triebnahme der ersten Motorpostli- nie Niederbayerns, die ab dem Jahr 1907 auf dieser Strecke verkehrte, verkürzte sich die Fahrzeit auf 90 Minuten. Mit der Technisierung ka- men immer modernere Fahrzeuge dazu, die Streckenführung wurde geringfügig verändert, die Straßen verbessert. Seit Mai 1949 gibt es die Bundesstraße 20 Ursprünglich führte die Straße nach Cham über den Kirchberg nach Ried und weiter. Später ver- legte man sie kurvenreich östlich vorbei über den Steinberg. Als Teil der bedeutenden Fernverkehrsstra- ße vom Königssee bis Furth imWald wurde sie im Mai 1949 zur Bundes- straße mit der Nummer 20. Alle Fahrzeuge, die auf dieser Strecke von Nord nach Süd oder umgekehrt wollten, mussten durch Stallwang. Die Wirtshäuser und die Geschäf- te profitierten davon. Man machte Mittag, kehrte ein und kaufte ein. Allerdings stieg das Verkehrsauf- kommen im Laufe der Jahre, die Taxis das Privileg für die Posthalte- rei. Mitte des 18. Jahrhunderts wur- de die erste Poststelle in Stallwang eingerichtet und der Ort eine wich- tige Station auf der Linie München– Prag. Anfangs waren es Postreiter, später die Kutschen, die in Stall- wang beim Wirtshaus die Pferde tauschten. Dass die Post bedeutend war, ist noch heute aus dem Ge- meindewappen abzuleiten: In der unteren Hälfte ist ein Posthorn zu sehen. Bis heute gibt es auch einen Gasthof Zur Post. – In schriftlichen T reffender könnte der Ortsna- me von Stallwang nicht sein: Stall bedeutet ein Gebäude zum Unterstellen von Tieren – Pfer- den –, und das in Niederbayern so seltene „wang“ bezeichnet die ab- hängige, mit Gras bewachsene Sei- tenfläche eines Berges, womit der Gallner gemeint sein dürfte. Dem Ort Stallwang, idyllisch im Kinsachtal zwischen Straubing und Cham gelegen, kommt verkehrsmä- ßig seit jeher eine große Bedeutung zu. Eine uralte Handelsstraße führ- te von Straubing kommend durch den Ort bis ins Böhmische. Ur- sprünglich war man auf schlechten Wegen mit Pferden und Kutschen unterwegs. Post hatte eine große Bedeutung für den Ort Große Bedeutung hatte die Post für Stallwang. Bereits 1645 erhielt die Familie Barnerssoi vom Hause Bei der Ortsansicht von Süden her wird die Streckenführung der Handelsstraße sichtbar. Die ursprüngliche Route führte über den Kirchberg nach Ried und weiter bis nach Böhmen. Später wurde sie östlich vorbei über den Steinberg verlegt. Heute führt die B20 westlich von Stallwang vorbei (auf dem Bildrand links, mit der Brücke). Fotos: Andrea Völkl B20-Bau bei Steinkirchner: Hier kom- men sich die alte B20 (links, Blickrich- tung Rattiszell) und die neue am nächsten. Foto: Donatus Moosauer Das Verkehrsschild bei Niederkinsach zeigt die günstige Lage von Stallwang in der Mitte zwischen Straubing und Cham an. Herbert Zankl (links) und Edi Faltl haben sehr viel Zeit in die Sammlung von Bildern und Berichten investiert, die heute der Gemeinde zur Verfügung steht. – Die Aufnahme des ersten motorisierten Postbusses, der ab 1907 auf der Strecke Straubing–Stallwang verkehrte, stammt aus der Sammlung von Edi Faltl, sie entstand nach 1910. Foto links: Andrea Völkl STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Schwarzach: Schüler aus der Schule entlassen und für soziales Engagement geehrt ................ 15 Loitzendorf: Pfarrer Gallmeier bat um Beistand Gottes für Fahrer und segnete Autos .................. 16 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de kreis & quer W er im Schlaf seltsame Dinge macht, den soll man nicht we- cken. Manchmal will man das auch gar nicht, weil es lustig anzuschau- en ist: Als ein Bekannter nach einer Feier bei Freunden übernachtet hat, hat er im Schlaf mit den Beinen ge- strampelt, als wäre er ein Hund, der etwas jagt. Das hat zwar alle Anwe- senden amüsiert, der „Jäger“ aber hatte danach einen Muskelkater, als wäre er einen Marathon gelaufen. Bei einer Bekannten wäre das Schlafwandeln einmal fast schief gegangen: Sie konnte sich am nächsten Morgen daran erinnern, auf die Toilette gemusst zu haben. Im Schlaf Auf halber Strecke sei sie umge- kehrt und wieder ins Bett gegangen, weil ihr „die Umgebung unnatür- lich weich vorgekommen“ sei. Wie sich herausstellte, hatte sie die rich- tige Entscheidung getroffen: Statt der Zimmertür stand der Kleider- schrank sperrangelweit offen. Auch die Freundin eines Bekann- ten hat erzählt, dass er sich im Schlaf oft lustig verhalte. Einmal habe sie versucht, ihn aufzuwecken, weil er ein Stück rüberrutschen sollte. Geschafft hat sie das nicht, aber er hat es wohl auch so gemerkt: In Liegestütz-Position ist er nach links gekrebst, hat sich mit vollem Schwung auf die Matratze fallen lassen – und ist davon aufgewacht. Manchmal muss er sich nicht ein- mal bewegen, um andere zu unter- halten, während er selbst friedlich schlummert. Oft reicht das, was er sagt. Jüngst hat er wohl geträumt, er sei ein Cowboy im Wilden Wes- ten. Noch im Halbschlaf hat er sei- nemWecker geantwortet: „Ich kann jetzt nicht, ich muss am Lagerfeuer bleiben und auf die Pferde aufpas- sen.“ –san– 8A6LniQo

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