Heimatzeit Geiselhöring

STRAUBING-BOGEN www.straubinger-tagblatt.de Heute im Landkreis Kalenderblatt Seite 14 Veranstaltungen Seite 14 Straubing-Bogen Streifenfreier Himmel durch Corona: Sterngucker dennoch mit gemischen Gefühlen ........ 15 Schwarzach: Ein neues Kunstwerk ziert die Grundschule – viele haben mitgeholfen............................. 17 Bei Fragen zur Zeitungszustellung: Telefon.............. 09421/940-6400 Der direkte Draht zur Redaktion: Telefon.............. 09421/940-4620 Telefax.............. 09421/940-4609 landkreis@straubinger-tagblatt.de Der Geiselhöringer Stier I n der Stadt im Labertal lässt sich durch mehrere archäologische Funde bereits eine frühe Besiedlung nachweisen. So wurde der „Geisel- höringer Stier“ 1985 beim Bau des Freibads an der Straubinger Straße gefunden. Er stammt wahrschein- lich aus der Münchshöfener Kultur und ist circa 6000 Jahre alt, also aus der Jungsteinzeit. Möglicherweise war er für Opfer- gaben gedacht oder als Behältnis für Salben. Beim Geiselhöringer Stier handelt es sich um eine töner- ne Rinderfigur, die etwa 16 Zenti- meter groß ist. Die Stadt Geiselhö- ring ließ von diesem Fund Nachbil- dungen anfertigen, im Rathaus er- füllen sie in den Büros einen prakti- schen Zweck und dienen als Behält- nis für Büroklammern. Im Stadtgebiet von Geiselhöring wurden darüber ein Erdwerk und mehrere Keltenschanzen gefunden. Nach Angaben der Internet-Enzy- klopädie Wikipedia ist das 1982 beim Kiesabbau entdeckte Erdwerk bei Hadersbach die Anlage mit der bislang größten Innenfläche eines Erdwerks der Chamer Kultur. Das Areal von etwa 32000 Qua- dratmetern war durch eine Graben- anlage und natürliche Annähe- rungshindernisse geschützt. Die vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege untersuchte Fund- stelle liegt auf einem spornartigen Plateau am rechten Ufer der kleinen Laber. Neben den chamzeitlichen Befunden konnten den Angaben zu- folge bandkeramische Befunde, zwei mittelneolithische Gräber so- wie urnenfelderzeitliche Befunde untersucht werden. (eam) Diese Tierplastik, genannt „Geiselhöringer Stier“, ist beim Bau des Freibads ent- deckt worden. Sie ist etwa 6000 Jahre alt. Foto: Stadt Geiselhöring Heimatzeit in heimatzeit.idowa.de Geiselhöring kreis & quer K erzenlicht zur Weihnachtszeit lautete der Betreff einer Mail, die vor einigen Tagen in der Redak- tion einging. Dass es spätestens im August Lebkuchen, Dominosteine und Spekulatius zu kaufen gibt, das war einem bewusst. Aber dass es jetzt, Mitte Juli, drinnen gemütlich wird, wie es die Verfasser der Mail behaupteten, war einem neu. „Alles wird festlich dekoriert, überall glitzert und glänzt es“, ging das Schreiben weiter. Das trifft – Stand heute – eher auf die Süßwa- renabteilung einesDrogeriemarktes zu, wo noch immer Massen von re- duzierten Schoko-Osterhasen in den Regalen stehen und darauf war- ten, dass sie endlich gekauft werden (möglichst bevor die Weihnachts- männer danebengestellt werden). Die Lieblingsnascherei der Kolle- gin, kleine Schokokugeln einer be- stimmten Marke, die es nur zu Ganzjahreskugeln Ostern und zu Weihnachten gibt, sind indes schon längst vergriffen. „Die Schokolade schmeckt in Ku- gelform gepresst einfach viel besser als die Tafeln“, erklärte sie. Warum es die also nicht das ganze Jahr über gibt, ist ihr ein Rätsel: „Für Hallo- ween könnte man die Kugeln doch als Kürbisse verpacken.“ Auch für die Sommervariante hätte man eine Idee. Das Alupapier der Schokoku- geln erinnert farblich an Eissorten: ein zartes Gelb für Vanille, frisches Rosa für Erdbeere, hellgrün für Pis- tazie... Und diese „Eiskugeln“ wer- den dann in eine kleine „Eistüte“ aus Karton drapiert. Würde man im Marketingbereich des besagten Schokoladenherstel- lers arbeiten, gäbe es die Lieblings- schokokugeln das ganze Jahr über, in saisonal passender Verpackung. Und Mails, die den Empfänger auf die Adventszeit einstimmen sollen, frühestens Mitte November... –frg– Mehr schätzen, was vor der Haustür liegt Daniela Lochner führt als Stadtführerin auch in wenig bekannte Ecken Geiselhörings G eiselhöring war bereits früh besiedelt, dies beweisen ar- chäologische Funde, wie der „Geiselhöringer Stier“, der beim Bau des Freibades an der Straubin- ger Straße entdeckt wurde. Daniela Lochner bietet seit vielen Jahren in- teressante Erlebnisführungen an, in denen sie die Geschichte im passen- den Kostüm für die Gäste lebendig macht. In ihren Führungen wirft sie „mit G’schichten und nicht mit Zahlen um sich.“ Auch für Geiselhöringer Bürger gibt es in der Labertalstadt trotz guter Ortskenntnis viel Neues zu entdecken, ist Daniela Lochner überzeugt. Momentan ist das Interesse für Stadtführungen aus bekannten Gründen nur gering, wie Daniela Lochner erzählt. Stadtführungen im Freien sind aber auch mit den Corona-Auflagen möglich, lediglich die Wirtshausführung geht derzeit nicht. Rund um den Geiselhöringer Stadtplatz gibt es so viel zu entde- cken und kennenzulernen, ist Da- niela Lochner, die auch für die Re- gensburger Stadtmaus Führungen anbietet, überzeugt. Auch für die, die meinen, schon alles zu kennen, eröffnet „Menschen und Häuser“ viele neue und interessante Aspekte Geiselhörings. Sie hört immer „Was gibt’s bei uns schon zum Verzähln“ oder „Ich weiß eh alles“, lässt man sich aber auch als Hiesiger auf eine Führung ein, dann heißt es schon mal „Des hab i aber net gwusst“. Viele Vereine buchen bei ihr eine Führung und lassen den Ausflug dann noch in einem Wirtshaus aus- klingen, berichtet Lochner, die auch aus Leidenschaft Theater spielt und Regie führt. „Lins“ hat nichts mit den Römern zu tun Wenn sie in alten Zeitungen liest und in Archiven stöbert, findet sie viel Erzählenswertes, sodass sie noch viel Stoff für weitere Themen- führungen in petto hat. Bei der Füh- rung gibt’s zunächst Informationen über die Frühgeschichte Geiselhö- rings, aber keine Angst, Daniela Lochner spickt ihre Führungen viel lieber mit lustigen Geschichten als mit Jahreszahlen. Mit dem ersten Irrtum, den viele Geiselhöringer in der Grundschule gelernt haben, räumt sie gleich zu Beginn der Füh- rung auf. Dass die Bezeichnung „Lins“ von einem römischen Tem- pel abgeleitet werde, sei falsch und stammt wohl aus einer Zeit, als alle von den Römern abstammen woll- ten. Das Wort „Lins“ sei ein kelti- sches Wort und heißt gekrümmt, diese Erklärung ist auch viel logi- scher, wenn man den kurvigen Stra- ßenverlauf „Am Lins“ vor Augen hat. Genauso wenig ist bekannt, dass in Geiselhöring vier Stadttore standen. Zwischen dem Geiselhö- ringer Hof und dem Thannhuber- haus stand eines dieser Tore und dort wohnte sogar der Türmer, wie Daniela Lochner zu berichten weiß. Die Brauerei Redlbacher war in Geiselhöring beheimatet, der Fami- lie gehörte fast die gesamte Stra- ßenzeile am „Postberg“. Der Begriff stammt daher, da das schon lange leer stehende „Waagscheitl“ früher die Poststation war, erklärt die ver- sierte Fremdenführerin. Die Familie Redlbacher kaufte 1825 – ein paar Jahreszahlen müssen dann aber doch sein – Brauerei und Gasthof „Zur Post“ von Thurn & Taxis. Die Redlbacher sind später nach Strau- bing gezogen, „weil die Geiselhö- ringer sie irgendwann nicht mehr haben wollten“, wie Lochner zu be- richten weiß. „AmBick-Eck vorbei und an Postberg affi“ Ganz verzwickt wird es, wenn ein Geiselhöringer einem Auswärtigen folgende Wegbeschreibung abgibt: „Da fahrst am Bick-Eck vorbei und an Postberg affi.“ Beide Begrifflich- keiten finden sich in keinem Navi, sodass nur Einheimische mit dem Bick-Eck, dort wo sich Landshuter und Regensburger Straße mit dem Viehmarktplatz treffen, etwas an- fangen können. Und mit dem Post- berg ist der Abschnitt der Regens- burger Straße am Rathaus vorbei in den Stadtplatz, gemeint. Geiselhöring brachte auch bedeu- tende Persönlichkeiten hervor. Franz-Xaver Engelhardt war Dom- kapellmeister bei den Domspatzen und hat den Knabenchor mit Aus- landsreisen berühmt gemacht. Franz-Xaver Engelhardt kompo- nierte auch viel. „Kennen S’ des Dampfnudel-Lied?“, fragt Daniela Lochner und singt es auch schon vor. Die Führung „Menschen und Häuser“ geht auch der Frage nach, warum es hinter der Kirche einen Schlossgraben gibt. Vieles bleibt in der Hektik des Alltags unbemerkt Ein besonderes Schmankerl sind aber die Geiselhöringer Kriminal- geschichten, der abendliche Spa- ziergang findet allerdings nur in der dunklen Jahreszeit statt. Bei den Kriminalfällen, die sich in Geisel- höring zutrugen, geht es nicht nur um Wirtshausraufereien, stellt Da- niela Lochner, die in die Rolle der „Wirtshausdirn Franzi“ schlüpft, eine interessante Erlebnisführung in Aussicht. Folgenden Satz hört sie besonders gern: „Da bin i ja no nie gwesen.“ Denn ein ganz wichtiges Anliegen ist ihr, seine eigene Heimat zu ken- nen und wertzuschätzen und dass es in Geiselhöring eine Menge zum Kennenlernen gibt, daran lässt Lochner keinen Zweifel. Wenn man sich die Zeit nimmt, den Stadtplatz auf sich wirken zu lassen, dann ent- deckt man vieles, was man in der Hektik des Alltags jahrelang nicht bemerkt, ist sie sicher. Deshalb müsse man wieder stärker das wert- schätzen lernen, was man vor der ei- genen Haustüre hat. Nicht nur der Stadtplatz, sondern auch die Seitenstraßen und Gasserl haben eine Geschichte, viele Ge- bäude sind auch denkmalgeschützt. Viele dieser Häuser stehen aber leer, deshalb will Daniela Lochner in ih- ren Erlebnisführungen zum Schau- en und auch zum Nachdenken anre- gen. Kaum jemand nimmt wahr, dass die Giebel am Stadtplatz alle gleich sind, das liegt daran, dass 1726 am Stadtplatz „27 Häuser und da Pfarrhof abbrennt san“. Und mit ihm leider viele Matrikel, Urkunden und Aufzeichnungen, die Häuser wurden alle in der gleichen Stilepo- che wiederaufgebaut. Thematisch passend zu jeder Führung schmeißt sich Daniela Lochner, die mehrmals für die Eva Plenningerin Regie führte, in ein Kostüm, sodass die Erlebnisführun- gen zu einem besonderen Schman- kerl werden. 2012 hat sie das Stück neu geschrieben, nächstes Jahr, 2021, wird sie aber nicht mehr dabei sein. Elisabeth Ammer ■ Nähere Informationen über die Erlebnisführungen von Da- niela Lochner und weitere Hinter- grundinformationen findet man un- ter www.spinnentoeter.de . Daniela Lochner bei der Führung, die in die Kriminalfälle Geiselhörings ein- taucht und mit „... umb die Ehr chumen allhier!“ betitelt ist. Am Geiselhöringer Galgenberg ging es durchaus um Leben und Tod, wie die Gäste in der Führung erfahren. Foto: Christian Ertl Montag, 13. Juli 2020 LANDKRE I S STRAUBING-BOGEN 13 8A6LniQo

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