PERSPEKTIVEN - Schule, Job, Karriere

2 Perspektiven FINANZSPRITZEN In einer staatlich anerkannten dua- len Ausbildung hat ein Azubi An- spruch auf Berufsausbildungsbei- hilfe (BAB). Darauf weist das IHK- Berufsbildungsmagazin „Position“ auf seiner Website hin. Vorausset- zung: Der Azubi wohnt nicht bei den Eltern, und der Betrieb ist vom Elternhaus aus nicht in angemesse- ner Zeit erreichbar. BAB wird bei der zuständigen Agentur für Arbeit be- antragt und nicht zurückgezahlt. Die Höhe ist abhängig von ver- schiedenen Faktoren wie der Aus- bildungsvergütung. BAföG-Leistungen kommen für Azu- bis an einer förderungsfähigen Be- rufsfachschule infrage. Der Satz wird individuell berechnet, geklärt wird auch, ob ein eigenes Einkom- men oder Vermögen beziehungswei- se das von Eltern oder Partner den Ausbildungsbedarf decken kann. Der Höchstsatz wurde im August letzten Jahres von 708 auf 825 Euro angehoben. Der Antrag geht an das zuständige Amt für Ausbildungsför- derung. Das Schüler-BAföG muss nicht zurückgezahlt werden. Gibt es keine Förderung oder reicht das Geld trotzdem nicht, können Azubis einen Bildungskredit beantragen. Die KfW-Förderbank gewährt ihn denjenigen, die in den letzten 24 Monaten ihrer Ausbildung und zwi- schen 18 und 35 Jahre alt sind. Er ist unabhängig vom eigenen Ein- kommen oder dem der Eltern. Nach einer Frist von vier Jahren beginnt die Rückzahlung in monatlichen Ra- ten von 120 Euro. dpa-mag Flexibel bleiben Was für die Ausbildungssuche jetzt wichtig ist Die Prognosen für den Arbeitsmarkt sind wenig optimistisch. Gewerkschaf- ten fürchten auch für den Ausbildungs- markt einen Einbruch. Was bedeutet das für Jugendliche auf Lehrstellensu- che? Kurzarbeit, eingeschränkter Betrieb, Einsparungen: Die Corona-Krise trifft den Arbeitsmarkt hart. Sorgen bereitet das Schülerinnen und Schülern, die kurz vor dem Abschluss stehen. Wie sieht es mit ihren Ausbildungsplätzen aus – und wie beeinflusst die Krise die Stellensu- che? Die wichtigsten Fragen und Ant- worten: Müssen sich Jugendliche Sorgen um ihren Ausbildungsplatz 2020 ma- chen? Für das Ausbildungsjahr, das klassi- scherweise im September beginnt, ha- ben schon viele Jugendliche einen Aus- bildungsvertrag unterschrieben. Der kann sowohl vom Betrieb als auch vom Azubi vorzeitig gelöst werden. „Wenn man das große Ganze betrachtet, ist der Ausbildungsmarkt aber erstmal relativ stabil“, sagt Steffen Hell vom Ar- beitgeberservice der Bundesagentur für Arbeit in der Region Berlin-Branden- burg. Hell geht davon aus, dass insbe- sondere zum Start ins neue Ausbil- dungsjahr im September der Großteil der Betriebe wieder im Normalbetrieb laufen kann. Es gebe aber durchaus Un- terschiede zwischen den Branchen. Laut Daniel Gimpel von der DGB Jugend ist es aktuell noch schwer abzuschät- zen, wie sich der Ausbildungsmarkt ent- wickeln wird. „Die Gefahr ist aber durch- aus groß, dass es zu einem Einbruch des Angebots und auch Entlassungen kommt“, sagt der Referent für Berufs- ausbildung. Gegenmaßnahmen seien jetzt gefragt. Wie sieht es in den besonders betrof- fenen Branchen aus? Hier kann die Ausbildungsplatzsuche schon schwieriger werden. Hell zufolge geben einige Unternehmen der Gastro- nomie-, Hotel- und Tourismusbranche derzeit an, dass sie ihre Ausbildungstä- tigkeiten für ein Jahr pausieren müssen. „Das Stellenangebot für angehende Ho- telfachleute etwa ist also durchaus ver- kleinert.“ Gleiches gelte für die Veran- staltungs- und Kreativbranche. Was können Jugendliche tun, wenn ihr Ausbildungsvertrag vorzeitig ge- löst wird? Auch wenn der Großteil des Ausbil- dungsmarkts relativ stabil dasteht, gebe es Fälle, in denen Ausbildungsverträge gelöst werden, bestätigt Daniela Wilke, Jahr sowie für einen Bundesfreiwilligen- dienst. Sein Rat: Flexibel agieren und nicht auf eine Option versteifen. Außerdem biete die Bundesagentur ver- schiedene berufsvorbereitende Maßnah- men an. „Da können sich Jugendliche dann zum Beispiel erstmal in verschie- denen Branchen ausprobieren“, erklärt Wilke. Der Beraterin zufolge sollten sich Jugendliche auch immer vor Augen füh- ren: „Eine Ausbildung ist nicht der Be- ruf, den ich die nächsten 40 Jahre aus- üben muss.“ Amelie Breitenhuber, dpa Wo finde ich offene Ausbildungs- stellen? Und worauf muss ich bei der Bewerbung achten? Für solche Fra- gen rund um das Thema Ausbildung sind die Berufsberater und Beraterin- nen der Bundesagentur für Arbeit er- reichbar. Auch wenn persönliche Termi- ne derzeit noch nicht wieder möglich sind, stehen die Berater zum Beispiel bei Live-Sessions auf Youtube oder te- lefonisch zur Verfügung. Kontakt kön- nen aber auch Lehrer an der Schule ver- mitteln. Wer noch in der Orientierungsphase ist, kann auch selbstständig über das Selbsterkundungstool Check-U oder etwa mit Hilfe d er App AzubiWelt nach passenden Ausbildungsberufen su- chen. Beratung bietet auch die DGB Jugend. Im Online-Beratungsportal Dr. Azubi können Auszubildende Fragen stellen. Außerdem hat die DGB Jugend alle wichtigen Antworten auf arbeitsrecht- liche Frage und Hilfestellungen für Azubis während der Corona-Pandemie in einem FAQ zusammengefasst. „Die Chancen sind nicht radikal schlech- ter geworden“, so Hells Einschätzung. Gerade im handwerklichen Bereich seien bislang auch weiterhin viele Ausbil- dungsplätze offen. Eine Verknappung des Angebots sieht er etwa im Touris- musbereich oder auch in der Hotellerie. „Viele Jugendliche, die ein Auslandsjahr geplant hatten, streben jetzt ebenfalls in den Ausbildungsmarkt – und interes- sieren sich auch für diese Bereiche.“ Da hätten Schülerinnen und Schüler mit Abitur oft bessere Chancen. Die Zensuren seien aber für viele Arbeit- geber gar nicht mehr allein entschei- dend, sagt Wilke. Gerade in den Berufen, in denen Azubis stark nachgefragt sind, seien die Unternehmen auch offen, Schüler mit schwächeren Abschlüssen einzustellen. Etwas kritischer ist Daniel Gimpel: Soll- te sich in Zukunft einen Knick im Ausbil- dungsangebot geben, werde es für die- jenigen noch schwerer, die einen Haupt- schulabschluss haben. Er rät, sich in je- dem Fall bei der Bundesagentur für Ar- beit zu melden und die Berufsberatung in Anspruch zu nehmen. Was, wenn es mit dem Ausbildungs- platz gar nicht klappt? Wenn es mit der Wunschausbildung erst- mal nicht klappt, müssen Jugendliche nicht aufgeben. „Es gibt immer parallele Wege, die ich gehen kann“, sagt Hell. So können Jugendliche es zunächst mit ei- ner anderen Ausbildung versuchen. „Und wenn ich merke: 2020 wird das al- les gar nichts mehr, dann kann ich mir auch das Jahr für einen Zeitpuffer ge- ben.“ Nutzen lasse sich der etwa für ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit in der Region Berlin-Branden- burg. „Die Jugendlichen können sich in einem solchen Fall bei zuständigen Ju- gendberufsagentur melden und zusam- men mit den Berufsberatern nach ande- ren offenen Stellen oder alternativen Berufsbildern suchen.“ Sie rät allen, die bereits einen Vertrag mit einem Ausbildungsbetrieb abge- schlossen haben und besorgt sind, Kon- takt mit dem Unternehmen aufzuneh- men. „Man kann ruhig fragen: Bleibt es bei dem, was wir vereinbart haben?“ Kann ich dieses Jahr überhaupt noch einen Ausbildungsplatz finden? Ja. Besonders viele kleinere Unterneh- men suchten auch erst im Juni oder Juli aktiv nach Auszubildenden, sagt Hell. Aber auch große Unternehmen, etwa Einzelhandelsketten, zeigten sich ver- stärkt flexibel. „Spätestens jetzt sollte man aber mit der Suche beginnen.“ Generell gilt: Je früher man mit der Su- che anfängt, desto besser: „Wir raten den Jugendlichen eigentlich immer, sich spätestens ein Jahr, bevor sie aus der Schule kommen, intensiv mit ihren Aus- bildungswünschen zu beschäftigen“, so Wilke. Auch Gimpel geht davon aus, dass „Aus- bildungen wie geplant durchgeführt werden, wo sie angeboten werden“. Es werde zudem viel daran gesetzt, dass aktuell laufende Ausbildungen fortge- setzt werden – auch wenn dafür zum Beispiel Ausbildungspartnerschaften zwischen Betrieben nötig sind. Wie sieht die Situation für Jugendli- che mit schlechten Noten aus? Kein Ausbildungsplatz im Wunschberuf? Jugendliche können sich mit Unterstützung der Arbeitsagentur nach Alter- nativen umsehen. Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

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