100 Jahre Freistaat Bayern

2 EDITORIAL/IMPRESSUM Liebe Leserinnen und Leser, Was passiert, wenn Ihnen jemand sagt, dass Sie „Rotzmuggen“ im Gesicht haben? Rüttelt derjenige dann am Watschnbamm? Wenn ja, würden Sie Ihrem Gegenüber Unrecht tun: In Mittelfranken meint man damit nämlich einfach Sommersprossen. 100 Jahre alt wird der Freistaat am heutigen 8. November. Wir haben in dieser zweiten Jubiläums- ausgabe unseren Fokus auf kulturelle Aspekte gelegt, die Bayern so vielseitig und einzigartig machen. Zum Beispiel der Dialekt – oder besser: die Dialekte. Einige bairische Wortschatzbeispiele haben Sie schon auf unserer Titelseite gefunden, an der Stelle des jeweiligen Bezirks, aus dem sie stammen. „Dialekt ist in“, hat unsere Autorin Gertraud Wittmann im Zuge ihrer Recherchen festgestellt – aber auch gefährdet, wie sie auf den Seiten 14 und 15 erläutert. An Michl Müller kann das nicht liegen: Wenn der Unterfranke auf der Bühne steht, ist sein Dialekt immer dabei, selbst wenn er in Norddeutschland auftritt. Er sagt im Interview auf Seite 12: „Mein Programm und meine Witze basieren an sich auf dem Fränkischen. Das würde nicht anders funktionieren.“ Sein Publikum liebt ihn dafür. Reich ist Bayern auch an Mythen und Legenden. Eine, die seit langem bei Groß und Klein im Bayerischen Wald für Gänsehaut sorgt, stammt von einem Mann, der als „Mühlhiasl“ bekannt wurde. Jana Geiger, die seine Vorhersagen von Kindheit an kennt, stellt den düsteren Propheten auf den Seiten 6 und 7 vor. Allen negativen Mühlhiasl-Prognosen zum Trotz findet Wolfgang Krebs, dass Bayern „seine besten Jahre noch vor sich“ hat, wie er im Interview mit Marion Bremm auf den Seiten 3 und 4 feststellt. Der Kabarettist, der vor allem durch seine Parodie verschiedener Ministerpräsidenten bekannt wurde, schaut aber auch bei Problemen nicht weg. Dennoch steht für ihn fest: „Wir Bayern sind in vielen Lebensbereichen spitze.“ Wirtshauskultur und geselliges Miteinander – wo trifft das besser zu als beim Kartenspielen? Im Beitrag von Chris Sternitzke auf den Seiten 8 und 9 geht es um den Schafkopf, der womöglich nicht so „urbayerisch“ ist wie von vielen angenommen. Dennoch hat das Spiel vor allem in Bayern viele Anhänger gewonnen – darunter auch immer mehr Frauen. Wer sein Glück einmal versuchen will: Im Freistaat gibt es jedes Wochenende zahlreiche Schaf- kopfturniere. Eine eher stille Tradition findet sich in ganz Bayern an Wegkreuzungen oder am Straßenrand: Marterl, Kreuze und Bildstöcke sowie kleine Kapellen erin- nern an tragische Ereignisse. Marina Jung geht auf den Seiten 16 und 17 der Herkunft dieses alten Brauchs auf den Grund, der ein Zeichen tiefverwur- zelter Volksfrömmigkeit ist. Dabei sind die kleinen Denkmäler nicht immer nur ein Ausdruck der Trauer – in manchen Varianten hat man auch versucht, dem Tod mit Humor zu begegnen. Denn auch das ist Bayern – wie man spätestens seit Ludwig Thomas „Münchner im Himmel“ weiß, der dem „Frohlocken“ nicht allzu viel abgewinnen konnte. Viel Freude beim Lesen! Franziska Meinhardt Redaktion Der Freistaat feiert sein 100-jähriges Jubiläum. Auch die Landeshauptstadt München hat sich zu diesem Anlass herausgeputzt. Foto: Peter Kneffel/dpa ⬛ THEMEN 03 „Bayern hat seine besten Jahre noch vor sich“ Kabarettist Wolfgang Krebs im Interview 04 Holunderlikör à la Uroma Mathilda Eine Tradition in der Familie unserer Autorin 06 Bayern und seine Mythen Die Weissagungen des Propheten Mühlhiasl 08 Wenn ein Roter auf die Blaue spielt Schafkopf: Das Kartenspiel in Bayern 11 Kein Rautenmuster ohne die Stadt Bogen Die Entstehung des bayerischen Wappen 12 „Meine Heimat ist meine Kraftquelle“ Michl Müller über seine bayerische Heimat 14 Dialekt ist in Die Bayern und ihre Mundart 16 Vom Mord zur Volksfrömmigkeit Warum es in Bayern so viele Kreuze und Kapellen gibt 18 Der Freistaat feiert Veranstaltungen zum 100-jährigen Jubiläum 100 JAHRE FREISTAAT BAYERN Verlagsbeilage der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung und der Abendzeitung München am 8. November 2018 Auflage: 167.234 Exemplare (IVW II/2018) Redaktion: Franziska Meinhardt, Daniela Feldmeier Autoren: Marion Bremm, Jana Geiger, Marina Jung, Ulrike Kühne, Chris Sternitzke, Gertraud Wittmann Titelbild: Miriam Stowitz Anzeigen: Verkaufsteams der Mediengruppe Straubinger Tagblatt/Landshuter Zeitung und der Abendzeitung München Anzeigenmarketing: Carola Meier, Margot Schmid Verlags- und Anzeigenleitung: Klaus Huber Druck: Cl. Attenkofer’sche Buch- und Kunstdruckerei, Verlag des Straubinger Tagblatts IMPRESSUM INHALT

RkJQdWJsaXNoZXIy MTYzMjU=