Powerfrauen

46 P WeR.FRAUeN V ermutlich kennt jede berufstäti- ge Frau das Gefühl, zum Vorstel- lungsgespräch nicht passend gekleidet zu sein, oder die Angst, am ersten Ar- beitstag in Sachen Kleidung aus dem Rahmen zu fallen. Natürlich gibt es diverse Möglichkeiten, sich Anregun- gen und Tipps zu holen: Internet, Ein- zelhandel, Fernsehen. Was macht Frau aber, wenn sie sich selbst im schicken neuen Business-Outfit nicht mehr wie- der findet? Sich womöglich gar verklei- det fühlt und trotzdem eine Karriere anstrebt, die ihrer langen und/oder in- tensiven Ausbildung endlich Rechnung trägt? Cornelia Gumm ist erfolgreiche Stilbera- terin aus München. Sie berät gleichsam Frauen, Männer und Firmen, erstellt so- gar ganze Firmenkonzepte. 90 Prozent ihrer weiblichen Einzelkunden sind berufstätige Frauen, die vorankommen wollen. Sie weiß, worauf es beimThema Mode im Beruf ankommt. Längst haben sich die strengen Reglements in den unterschiedlichen Berufsbranchen ge- lockert: Wo es früher verpönt war, Pier- cings oder Tattoos offen zu zeigen, ist dies mittlerweile ein Zeichen von Au- thentizität und Persönlichkeit, so zum Beispiel in der Hotelbranche oder bei den Sterneköchen. Unlängst sei auch die Krawatte kein Muss mehr im Vor- stand oder im Recruting, erklärt Gumm. Doch längst gilt dies nicht für alle Be- rufssparten oder Ebenen. ›› „Wenn sich eine Frau als Mann verkleidet, tritt sie in direkte Konkurrenz“ Besonders Frauen im Big Business ha- ben es schwer, selbst wenn sie das- selbe Know-How mitbringen wie ihre männlichen Kollegen. Dabei besitzen sie diese „emotionale, strategische, ver- bindende Intelligenz“, meint Cornelia Gumm. „Beide Geschlechter könnten sich als Team wunderbar ergänzen und an einem Strang ziehen.“ Bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts hätten sich erfolgreiche Frauen oftmals quasi als Mann verkleidet. Designer wie Gior- gio Armani oder Jil Sander prägten mit ihrem androgynen Stil die Frauenmo- de der Vorstandsetagen. Für Cornelia Gumm ist diese Kleiderwahl überholt: „Wenn sich eine Frau als Mann ver- kleidet, tritt sie in direkte Konkurrenz. Dann geht der Rangkampf los und eine Frau muss erst einmal beweisen, dass sie toll ist.“ Für Cornelia Gumm ist das Ziel daher, nach Business auszusehen, eine subtile elegante Weiblichkeit zu transportieren und dabei die eigene Persönlichkeit nicht auszuklammern: „Gerade in Führungspositionen sollte das Selbstbewusstsein für die Einzig- artigkeit ausgestrahlt und auch gelebt werden.Was aufgesetzt ist, funktioniert nicht“, so Gumm. Bei aller Persönlich- keit sollte Frau sich natürlich aber „im Vorfeld mit dem äußeren Erscheinungs- bild befassen und darüber nachdenken, ob der Businesslook, der nach dem Stu- dium oder der Ausbildung noch genau passend war, auf dem Weg in die Füh- rungsetage immer noch stimmig ist.“ Für ein Business-Outfit braucht es nicht viel, aber es braucht ein in sich stim- miges Gesamtkonzept. Weiblichkeit hat viel mit Farbe und Stoffen zu tun, erklärt Cornelia Gumm. Farben können die eigene Persönlichkeit unterstrei- chen und sind dabei ein subtiler Hin- gucker. Warum also nicht Anzug, Blazer oder Rock mit einer neuen Farbe kom- binieren – Angela Merkel oder Marissa Mayer, ehemalige Geschäftsführerin von Yahoo, tragen schließlich auch rot. Auch bei Materialien darf laut der Stil- beraterin experimentiert werden. Blu- sen imT-Shirt-Schnitt aus hochwertiger Kompetent und feminin – aber nicht aufgesetzt eine expertin gibt styling-Tipps für die neue Generation der „Businesswomen“ von Marina Jung Monika Gietl ist als Global-IT-Prozess-Managerin bei einem großen Versicherungsunternehmen tätig. Cornelia Gumm rät ihr in Sachen Styling zu dunkler Jeans und Blazer. Pastelltöne unterstreichen zudem ihren Typ. Fotos: Ina Zabel Photography Catharina Hohaus ist im Mentoring tätig und berät vor allem Vorstände im Bankwesen. Laut Cornelia Gumm unterstreicht sie mit fließenden Stoffen ihre Weiblichkeit. Fotos: Peter Lund

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